Mehr als 200 Galerien aus 25 Ländern präsentieren sich vom 18. bis zum 22. April auf der Art Cologne. Seit 2008 wird die Kunstmesse von Daniel Hug, einem schweizerisch-amerikanischen Ex-Galeristen, geleitet.

DIE ZEIT: Die Art Cologne war die erste Kunstmesse der Welt – und lange Zeit auch die wichtigste. Nach mehreren Jahren des Niedergangs erlebt sie jetzt wieder einen Aufschwung. Was machen Sie besser als Ihre Vorgänger?

Daniel Hug: Der Absturz der Art Cologne hatte sehr viel damit zu tun, dass die Messe durch ihren Erfolg zu groß geworden war. Jeder wollte teilnehmen, und irgendwann machten 390 Galerien mit. Wie soll ein Besucher das wahrnehmen können? Die Art Cologne von 2009 war die erste von mir verantwortete, ich hatte eine schönere Messehalle ausgewählt und die Zahl der Eingänge von drei auf einen einzigen reduziert. Denn es muss auf einer Kunstmesse eine Schlange geben, ein Gedränge, in dem die Kuratoren und die Sammler sich treffen können. Die Engländer beherrschen diese Technik perfekt, vor jedem englischen Club gibt es eine lange Schlange, auch wenn es im Inneren recht leer ist. Meine wichtigste Reform aber war die Reduzierung auf knapp 200 Aussteller. Dadurch stieg die Qualität, denn wir haben nur die besten behalten und stetig mehr international wichtige Galerien wie Hans Mayer, Michael Werner, Sprüth Magers oder David Zwirner dazu- oder zurückgewonnen.

ZEIT: Andere internationale Messen finden in den Kunstmetropolen London, Paris oder New York, die wichtigsten in Steuerparadiesen wie Basel und Hongkong statt. Welchen Vorteil hat Köln?

Hug: Kunstmessen funktionieren immer besser in kleineren Städten, denn im kulturellen Angebot von globalen Metropolen drohen sie unterzugehen. Und Köln hat eine große Bedeutung in der Kunstgeschichte der Nachkriegszeit. Hier wurde der deutsche Kunstmarkt nach dem Krieg wieder aufgebaut, hier gibt es Sammler und große Institutionen wie das Museum Ludwig.

ZEIT: An welche Sammler richtet sich die Art Cologne? Ist sie eine regionale Messe geworden?

Hug: Sie ist vor allem eine deutsche Messe, der größte Ausstellerblock stammt aus Berlin. Der Schwerpunkt deutsche Avantgarde-Kunst macht die Messe aber auch für das Ausland interessant, denn die Kunstwelt ist glücklicherweise nicht so durchglobalisiert, wie manche behaupten. Es gibt viele kleine Kunstwelten. Und deutsche Kunst zählt zur gefragtesten Kunst der Welt. Vor zehn Jahren konnte man auf der Art Cologne noch einen Günther Uecker für 40.000 Euro kaufen. Heute liegen seine Preise bei 800.000 Euro. Wir stellen aber nicht nur zeitgenössische Kunst, sondern auch die Kunst der klassischen Moderne aus. Eine Messe, die nur zeitgenössische Kunst zeigt, kann nicht überleben. Für eine gute Wahrnehmung braucht eine Messe mehr als hundert Galerien – aber gibt es auch über hundert Galerien mit einem wirklich guten zeitgenössischen Programm? Die klassische Moderne zieht zusätzlich ein anderes Publikum heran.

ZEIT: In ihren ersten Jahren sei die Art Cologne eine Messe für Ideen gewesen, sagt der Galerist und Sammler David Zwirner, ein wildes Happening. Warum merkt man davon heute auf Kunstmessen kaum mehr etwas? Sind die Künstler zu brav geworden?

Hug: Eine Kunstmesse ist keine Kunstbiennale. Eine Kunstmesse sollte vor allem kommerziell erfolgreich sein, daran will ich nichts ändern. Aber es stimmt, es gibt heute sehr viel brave Kunst. Unter anderem deswegen führe ich kommendes Jahr eine neue Videokunstsektion auf der Art Cologne ein, die wahrscheinlich in dem Bereich der Messe stehen wird, in dem dieses Jahr quasi als Vorspiel die junge Düsseldorfer Sammlerin Julia Stoschek Highlights ihrer Kunstsammlung präsentiert.