Wenn nächste Woche die Art Cologne eröffnet, dann ist diesmal auch eine Plattenfirma mit dabei: Kompakt. Das Label, das seit seiner Gründung 1993 zu einer Kölner Instanz in Sachen Techno und elektronische Musik herangewachsen ist, wird 20 – und begeht seinen Geburtstag unter anderem und ausgerechnet auf einer Kunstmesse. Dort wird Kompakt mit einer Klanginstallation, einem sogenannten Pop-Ambient-Chill-out-Room, aber auch – wie die klassischen Galerien – mit einem Messestand vertreten sein. Dort sollen in einer Art pop-up shop neben den regulären Kompakt-Veröffentlichungen unter anderem Sammler-Editionen und Kunsttonträger verkauft werden, beispielsweise eine auf 200 Stück limitierte und von Labelgründer, Musiker und Künstler Wolfgang Voigt handbemalte CD-Version seiner Tracks Freiland und Geduld (zum unschlagbaren Preis von 20 Euro). Voigt freut sich über diesen "offiziellen Ritterschlag durch die Kunstwelt".

Schon seit den 1960er Jahren beäugen sich Kunst und Musik gegenseitig. Oft genug wurden dabei die Seiten gewechselt – sei es im Falle von Andy Warhols Factory und seiner Hausband The Velvet Underground, in der Grenzen sprengenden New-Wave-, Postpunk- und Kunstszene in Downtown Manhattan der frühen achtziger Jahre oder den damals sogenannten "Cross-over-Bewegungen" (Voigt nennt das lieber "Kreuzüber") zwischen Kunst und Clubs in den neunziger Jahren. Man habe sich halt "an der Theke des Lebens getroffen", sagt Voigt, "und fand sich unglaublich dufte".

Auf der Art Cologne allerdings treffen sich Kunst und Musik weder an der Theke noch im Proberaum oder Atelier, sondern auf einer Kunstmesse – und damit nähern sich auch zwei Vertriebsstrukturen einander an.

Galerien wie Labels sind tatsächlich oft ähnlich organisiert, sie fußen auf familiären Strukturen und Freundeskreisen. Und viele Künstler arbeiten sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Musik. In Ton wie Bild geht es Voigt um Wiederholungsstrukturen und Muster, um das Austesten und Ausreizen von Reduktion und Repetition. Erfolgreich bewältigen diesen Spagat aber nur wenige, sagt er: "Es gibt einige Ausnahmen, Künstler, die zweigleisig unterwegs sind und deren Musikaktivitäten infolgedessen in den Kunstmarkt hineinwirken, auch verkaufstechnisch." Voigt verweist auf seinen Berliner Künstlerkollegen Carsten Nicolai, der seit Jahren erfolgreich zwischen minimal-forschender Kunst und ebenso reduzierter Elektronikmusik changiert (bis zum 18. Mai ist seine neueste Kunst in der Berliner Galerie Eigen+Art zu sehen).