Jakob Hein, Jahrgang 1971, ist in der DDR groß geworden, Jacinta Nandi, Jahrgang 1980, wuchs in London auf. Heute leben beide in Berlin. Sie hat sich einen Namen als Lesebühnenpoetin gemacht, er als Fachmann für humorvolle DDR-Betrachtungen (Mein erstes T-Shirt).

Jetzt haben Hein und Nandi gemeinsam ein Buch geschrieben, Fish ’n’ Chips & Spreewaldgurken. Die Versuchsanordnung: Beide erinnern sich an das komische Panoptikum ihrer Jugend, angereichert mit Fantasien darüber, wie es beim jeweils anderen zugegangen ist – denn wirklich wissen tun sie wenig voneinander. Kennt Hein das London der achtziger Jahre nur von eingeschmuggelten Sex-Pistols-Alben und vom Hörensagen (beziehungsweise aus der DDR-Fernsehsendung English for you mit den topfhaarigen Protagonisten Diane, Tom und Peggy – was auf dasselbe hinauslief), hat Nandi die DDR ausschließlich als schillernde Vergangenheit ihrer Berliner Liebhaber erfahren (Nacktbaden in der Ostsee, Sex im Ferienlager).

Ihr Buch ist eine kleine Landeskunde als Kneipendialog zwischen Expat und Alteingesessenem, satirisch aufgedrehter Geschichtsunterricht, in dem sich die Autoren Kapitel für Kapitel ("Gesellschaft und Kritik", "Sex und Einsamkeit", "Bildung und Verblödung", "Dienen und Bedienung") ihre Herkunft erschließen. Nandi entdeckt dabei manche Gemeinsamkeit (in Großbritannien wie in Ostdeutschland gab es vor einem Vierteljahrhundert nur eckige Waffeleisen), während Hein auf die Frage "War der Osten spannend?" zur Antwort gibt: "Den Begriff ›langweilig‹ kannten wir gar nicht, so wie die Griechen kein Wort für ›Ausländer‹, sondern nur das Wort ›Gast‹ kennen, gab es im Ostdeutschen keinen speziellen Ausdruck für ›Langeweile‹. Dem Begriff am nächsten kam unser Wort ›Leben‹."