Die Frage: Seit ihre Jüngste ausgezogen ist, Max viel weniger unterwegs ist und zwei Tage im Homeoffice arbeitet, hängt der Ehesegen schief. "Wir könnten es so schön miteinander haben", sagt Max zu seiner Frau Katarina, "wenn du nicht so kalt wärst. Du interessierst dich einfach nicht mehr für unsere Liebe!" – "Ich komme gar nicht dazu, mich zu interessieren. Kaum siehst du mich, fängst du an, mich zu begrabschen, als sei ich dein Eigentum und Sexspielzeug!", sagt Katarina.

"Früher warst du nicht so gleichgültig und egoistisch", sagt Max. "Und du warst nicht sexsüchtig, ich weiß auch nicht, was in dich gefahren ist." – "Ich bin nicht sexsüchtig, ich war nur früher seltener da. Jetzt hätten wir die ganze Wohnung für uns. Ich bin noch nicht so alt, dass ich wie Brüderchen und Schwesterchen leben will!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Katarina ist nicht kalt und egoistisch, Max aber auch nicht sexsüchtig. Es ist eher so, dass beide nicht zusammen trauern und sich über Verluste trösten können. Für den Außenstehenden ist der Teufelskreis leicht zu erkennen, in den ein Sexbedränger und eine durch Vorwürfe lustlos gemachte Partnerin geraten.

Für die Verstrickten ist das erheblich schwieriger, denn jeder fühlt sich als Opfer und im Recht, mit deutlichen Worten das Gegenüber auf den Weg der "richtigen" Liebe zurückzubringen. Dass es zwei richtige Lieben gibt, von denen jede Respekt verdient, muss dann mühsam dem eigenen Kampfgeist abgerungen werden. Schmerz und Trauer sind in der Ehephase "nach den Kindern" ebenso normal wie die männliche Tendenz, Ängste durch sexuelle Aktivität zu bannen.