DIE ZEIT: Herr Götze, gerade sind Sie mit Riesenglück ins Halbfinale der Champions League eingezogen. Im Hinspiel haben Sie noch drei Großchancen ausgelassen. War das daher auch für Sie persönlich der Sieg des Jahres?

Mario Götze: Nein. Das war bislang sicher das Spiel des Jahres für uns als Mannschaft. Und natürlich sind wir im Kollektiv unfassbar glücklich. Aber ich persönlich spüre keine Genugtuung. Warum auch?

ZEIT: Mit 20 waren Sie zweimal Deutscher Meister und sind jetzt Champions-League-Halbfinalist. Mit 17 Jahren waren Sie Profi, hatten bereits zehn Jahre lang Leistungssport betrieben. Wie lange hält ein Körper das aus?

Götze: Eine solche Belastung hält man nicht ewig durch, weder körperlich noch mental. Es wäre naiv, mir vorzumachen, dass das länger als zwölf bis 15 Jahre so weitergehen wird.

ZEIT: Dann wäre mit Anfang dreißig der große Lebenstraum bereits zu Ende geträumt?

Götze: Das will ich mir gar nicht so klarmachen, ich verdränge das im Moment, und es ist ja noch viel Zeit bis dahin.

ZEIT: Noch keinen Gedanken daran verwendet?

Götze: Doch, aber ich habe wirklich noch keinen Plan B, und ich bin ja erst am Anfang meiner Karriere.

ZEIT: So unbedarft kennen wir Sie eigentlich nicht.

Götze: Es bringt einfach nichts, jetzt schon darüber nachzudenken, was ich danach machen werde.

ZEIT: Sie gelten als Spieler mit hoher Intuition. Haben Sie das gelernt, oder ist das angeboren?

Götze: Das Talent ist angeboren, aber ich muss es immer weiter verfeinern.

ZEIT: Wie verfeinert man Intuition?

Götze: Ich schaue mir Videoaufnahmen meines Spiels an, stelle mir Spielsituationen vor – immer und immer wieder. Die Leute denken bestimmt, ich gehe raus und trainiere Schnelligkeit, Technik oder den schwächeren Fuß. Das gehört natürlich auch dazu. Aber das allein führt zu nichts, wenn ich dem Gegner nicht im Kopf einen Schritt voraus bin. Schauen Sie sich ein Spiel des FC Barcelona an, die Spieler dort beherrschen das intuitive Denken in der Gemeinschaft. Sie scheinen identisch zu ticken, deshalb passen sie immer im richtigen Moment an den richtigen Platz. Das ist schon irre.

ZEIT: Haben Sie ein Vorbild?

Götze: Ich habe natürlich versucht, mir bei den Mittelfeldspielern von Barcelona, Xavi und Iniesta, was abzuschauen. Wer hat das nicht? Aber ich mag mich ehrlich gesagt nicht so gerne mit anderen Spielern vergleichen. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren und meinen eigenen Stil entwickeln, sonst verzettele ich mich.