Sie leben in WGs oder noch bei Mama, einige sind gut im Geschäft, andere noch am Anfang, und manche glauben noch an Märchen

Vom Alltag der Models wissen wir Nichtmodels wenig. Ihr Leben stellen wir uns recht vage als glamouröse Abfolge von Reisen, Partys und Fotoshootings vor. Und dann sehen wir diese Bilder der amerikanischen Fotografin Hadley Hudson und merken, dass alles ganz anders ist.

Hudson hat ihre Serie Persona genannt, weil sie die Menschen hinter der Inszenierung zeigen will. Wenn sie die Models abseits der Öffentlichkeit in ihrer privaten Umgebung, in ihren Wohnungen, zeigt, so Hudsons Idee, dann wird deren Identität zum Vorschein kommen. Dann sind sie mehr als eine Projektionsfläche der Werbeindustrie.

Seit 2008 fotografiert Hudson in Paris, New York, London und Berlin Models, die sie durch ihre Arbeit als Modefotografin kennenlernt. Einige sind ganz gut im Geschäft, andere stehen noch ganz am Anfang. Sie wohnen mit ihren Kollegen in Apartments, die die Agenturen stellen, in der eigenen Wohnung oder noch bei ihren Eltern. So leicht lässt sich die private Person allerdings nicht vom Model trennen, denn die meisten der Jungen und Mädchen, die darauf brennen, im Rampenlicht zu stehen, posieren ganz automatisch, wenn eine Kamera auf sie gerichtet ist. Doch auch wenn wir beim Blick auf die Bilder vielleicht nicht so genau wissen, wer die Menschen dahinter sind, so wissen wir nun, dass Models offenbar in großer Unordnung leben und sich vor allem von Junkfood ernähren, von Keksen, Chips und Proteinpulver. Fast hat man ein wenig Mitleid mit den dünnen, jungen Leuten, die in ihren Model-WGs in schmutzigen Stockbetten schlafen, nichts Anständiges zu essen haben und auf den großen Erfolg warten. Manche von ihnen, wie die beiden 17-jährigen Mädchen, die in Dessous auf dem Bett ihrer New Yorker Modelwohnung sitzen, glauben noch an Märchen. Sie haben aus Zeitungsschnipseln Collagen gebastelt, die ihren Traum von Glamour darstellen, und haben sich den Satz Fairy tales do come true ausgeschnitten: Märchen werden doch wahr.

Hadley Hudson hat die Models gebeten, das anzuziehen, was sie am liebsten mögen. Die meisten scheinen sich mit möglichst wenig Kleidung am wohlsten zu fühlen. In Hudsons Fotos gibt es kein Styling, nichts ist gestellt. Deshalb strahlen sie trotz des Chaos, in dem diese Models hausen, jene Coolness aus, die Werber und Modeleute so gerne inszenieren möchten.