Jeroen Dijsselbloem, 47, hat Agrarökonomie studiert und war nach dem Studium sozialdemokratischer Parteifunktionär in den Niederlanden. Ende 2012 ist er zum Finanzminister seines Landes ernannt worden, wofür ihn weder seine Kompetenzen noch seine Erfahrung prädestiniert hatten. Im Januar dieses Jahres wurde er zum Vorsitzenden der Euro-Gruppe gewählt. Gemäß der Methode "Baroness Ashton", benannt nach der unglücklichen EU-Außenministerin, wählte man den Unerfahrensten – damit die wichtigen Minister der EU-Großstaaten keine Konkurrenz zu fürchten haben. Aber Herr Dijsselbloem war gut für eine Überraschung.

Die Eurominister haben das Versprechen, die Bankdepots bis 100.000 Euro zu garantieren, wie Altpapier behandelt. Sie behaupteten, die zypriotischen Banken seien nicht pleite, weshalb man Bankkonten mit weniger als 100.000 Euro mit 6,75 Prozent belasten könnte. Das wäre Enteignung gewesen. Das zypriotische Parlament hat den Brüssler Vorschlag einstimmig abgelehnt.

In den folgenden Tagen kam Herr Dijsselbloem zur Vernunft. Er sagte, dass es für die insolvente zypriotische Laiki-Bank nur eine Lösung gebe: Zuerst verlieren die Aktionäre ihr Geld, dann die Obligationäre und am Ende die Kreditoren. Es gibt nichts Schlimmeres, als die Verluste zulasten der Steuerzahler zu kollektivieren, um Aktionäre und Gläubiger zu schonen.

Aber Herr Dijsselbloem meinte, die Lösung solle auch für andere Euro-Staaten gelten. Er wurde von seinen erschrockenen Kollegen sofort gezwungen, seine Aussage zu relativieren.

Man kann die Minister verstehen. Denn der Euro ist mehr als eine Währung, er stellt ein Regierungssystem dar. Durch die Währungsunion wollte man die politische Union erzwingen; auch wenn die Kosten erschreckend sind: 240 Milliarden Euro für Griechenland, 100 Milliarden für Spanien, 87 Milliarden für Irland, 78 Milliarden für Portugal. Dazu kommen 1.000 Milliarden Euro von der Europäischen Zentralbank für das Bankensystem.

Man will den Euro um jeden Preis verteidigen. Um die wahre Situation zu vertuschen, sind die Euro-Behörden aber gezwungen, nationale Regierungen, Bürger und Märkte zu beruhigen. Sie tun dies, indem sie die enormen Schulden durch weitere Schulden "tilgen".

Aber die Fassade der Einstimmigkeit bröckelt. Deutschland will (mit einigen Nordländern), dass die Südländer für ihre Sünden zahlen. Letztere wiederum sehen die Lösung in einer Verallgemeinerung der Schulden (Eurobonds) und darin, dass die Reichen (Deutschland) für die Armen zahlen. Beide Parteien haben aber nicht den Mut, Strukturreformen – der einzige Weg zum Wachstum – zu unternehmen. Ja, die EU hat den Friedensnobelpreis gewonnen, sie verdiente aber einen Preis für ihren Illusionismus.