Den Kaffee spendiert Mossack Fonseca, internationaler Marktleader in Sachen Steueroptimierung für Reiche mit Hauptsitz in Panama City. Den Cocktail kredenzt der Versicherer Swiss Life, Medienpartner ist die Zeitschrift Bilan, und als Sponsor tritt die Privatbank Lombard Odier auf, weshalb der Präsident der Bankiervereinigung, Patrick Odier, ebenfalls eine Rede halten wird. Ort des Branchentreffens am 29. April wird das Genfer Luxushotel President Wilson sein, es geht um "Chancen für die Wealth-Management-Branche in der Schweiz". Aber das eigentliche Thema lautet: Trusts. Also juristisch komplizierte Vermögensvehikel, oft domiziliert in landschaftlich attraktiven, aber finanztechnisch wenig regulierten Inselstaaten. Ein Themenblock an der erwähnten Konferenz trägt den Titel: "Wie Malta, Zypern und Panama die Schweizer Vermögensverwaltungsindustrie ergänzen".

Alles ganz normal? In der Schweiz finden fast im Monatstakt große Expertenveranstaltungen über die juristischen und ökonomischen Probleme von Trusts und Offshore-Gesellschaften statt. Und auch die Tagung im President Wilson müsste kaum auffallen. Was die Branche, die sich da zu Kaffee und Cocktails trifft, tut, ist legal, aber plötzlich wirkt es doch schwer verdächtig, irgendwie. Es ist gesetzeskonform, aber ist es rechtens?

Noch vor einigen Tagen war alles klar: Es gab Schweizer Banken, bei denen Millionäre und Mittelständler, Schöne und Politiker aus aller Welt diskret ein Konto hatten – und es gab klamme Staaten wie Deutschland, Frankreich oder die USA, welche die alpine Steuerflucht-Bastion knacken und diese Konten aufspüren wollten.

Jetzt, in der Woche eins nach den sogenannten Offshore-Leaks-Veröffentlichungen, wird die Klarheit diffus. Denn die Welt erfuhr: Die Schweiz ist nicht allein, es gibt Dutzende Schwarzgeldinseln. Es gibt nicht nur UBS und Credit Suisse – auch BNP Paribas, Crédit Agricole, Deutsche Bank, ING, ABN Amro oder HSBC bieten eifrig Beratung für diskrete Auslandskonstrukte in subtropischen Kleinstaaten. Und es gibt hier nicht nur Großbanken und Privatbanken – sondern das Geschäft mit der Steueroptimierung nährt auch Treuhänder, Trustspezialisten, Anwälte, unabhängige Vermögensverwalter und Strohmänner.

Die Schweizer Banken, seit Jahren konfrontiert mit schwersten Vorwürfen, könnten sich diesmal zurücklehnen. Zwar erscheinen auch UBS und die ehemalige Clariden Bank – mittlerweile von Credit Suisse aufgesogen – als eifrige Nutzer von Dienstleistungen von Trustkonstrukteuren. Aber da stehen sie nur in einer Reihe mit anderen Finanzinstituten. Sie könnten diesmal also locker die Position vertreten, dass Fehler geschehen sein mögen. Und vor allem, dass die erwähnten Daten aus einer Zeit stammen, als noch keiner hier von Weißgeld-Strategie sprach.

Aber die UBS will nichts zum Thema sagen. Und die Credit Suisse teilt bloß mit: "Wir erfüllen in allen Bereichen unserer Geschäftstätigkeit höchste Compliance-Standards und respektieren die Gesetze aller Länder, in denen wir Geschäfte betreiben. Wir unterstützen keine Kunden bei Aktivitäten, die der Umgehung ihrer Steuerpflichten dienen."

Ja, die Offshore-Leaks-Inszenierung zeigt auch, wie schwer es ist, einen Schlussstrich zu ziehen. "Wir können nicht sagen, das sei nicht geschehen. Wir können aber auch nicht behaupten, es sei des Teufels gewesen", kommentiert ein Bankmanager die Offshore-Strukturen. "Es war nämlich vielfach sauber, und vor allem war es legal. Aber wir können genauso wenig hinstehen und sagen: Das war okay."