Freispruch ist das Wort, an dem Christian Wulff sich in den 17 Monaten festgehalten hat, in denen die Staatsanwalt gegen ihn ermittelt hat. Er tut das auch weiterhin. Der frühere Bundespräsident hat das Angebot abgelehnt, gegen eine Zahlung von 20.000 Euro eine Einstellung des Verfahrens wegen Bestechlichkeit zu erreichen.

"Herr Wulff hat sich entschlossen, zu kämpfen", erklärten seine Anwälte am Dienstagnachmittag. Kämpfen will Wulff um seine Ehre. Von einem Prozess erhofft er sich aber nicht nur eine vollständige juristische Rehabilitation, sondern auch eine Debatte über berechtigte und unberechtigte Ansprüche an und Zumutungen für Politiker und eine kritische Bestandsaufnahme der Rolle der Medien.

Mehrere Stunden lang beriet der frühere Bundespräsident am Montag mit Freunden und Beratern, nachdem ein Gespräch seiner Anwälte mit der Staatsanwaltschaft ohne Annäherung ausgegangen war. Schnell setzte sich die Meinung durch, dass das Verhalten der Staatsanwaltschaft unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar sei.

Ob es zu einer Anklage kommt, wie sie die Staatsanwaltschaft anstrebt, entscheidet das zuständige Gericht in einem Zwischenverfahren, bis zum Start des Verfahrens könnte es Herbst werden. In mehr als 90 Prozent der Fälle folgt das Gericht der Staatsanwaltschaft, es gab aber auch schon Fälle, in denen ein Verfahren nicht zugelassen wurde. In einem Prozess könnten auch Unbeteiligte in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, darunter Prominente wie Hubert Burda und seine Gattin Maria Furtwängler sowie Siemens-Chef Peter Löscher. Das könnte bei der Abwägung eine Rolle spielen.

Wulff und seine Umgebung haben sich innerlich auf einen Prozess eingestellt, bis zum Schlusswort will Wulff sich so weit wie möglich aus dem Aktenstudium ausklinken und sich stattdessen auf seine beruflichen Aktivitäten konzentrieren. Der frühere Bundespräsident pflegt Kontakt zu den Opfern der NSU-Morde, hält Vorträge über Integration und versucht, Normalität zu simulieren, während vor seiner Wohnung die Paparazzi warten, wenn seine von ihm getrennt lebende Frau mit dem gemeinsamen Sohn vorbeikommt. Ein Rückzug ins Ausland, wie ihn der frühere Verteidigungsminister Guttenberg gewählt hat, kommt für Wulff nicht infrage. Er will bleiben, allen Widerständen zum Trotz. So hat es der Politiker Wulff immer gehalten. Meistens hat er sich nach mehreren Anläufen durchgesetzt.