Daran wiederum störten sich zuletzt die Angler in Niedersachsen. Sie führten nun auch Streit übers Geld. Ihr Vorwurf: Beide Dachverbände wirtschaften schlecht. Angeblich wisse noch nicht einmal die neue Präsidentin Happach-Kasan, wie es um die Finanzen der Verbände stehe. Niedersachsen ließ es zur Eskalation kommen – und will dem neuen Dachverband nicht beitreten.

Auch Bayern bockte und kündigte. Bald also sind die deutschen Angler vereinigt – und doch schwächer als zuvor. Weil Niedersachsen und Bayern nicht dabei sein werden.

Angesichts dieser Geschichten stellt sich die Frage, was eigentlich das größere Wunder ist: dass die deutschen Angler so lange getrennt bleiben konnten, auch nach 1989. Oder eher: dass sie überhaupt zueinandergefunden haben. Die Geschichte ihrer Einheit verkommt zu einer Geschichte über die Eitelkeiten im deutschen Föderalismus. Aber eben auch über den Kormoran.

"Wir sind uns beim Kormoran sehr schnell nahegekommen", sagt Günter Markstein. Wie bei den meisten Themen eigentlich. "In den Grundfragen stimmen wir überein, das ist ja das Problem." Die Einheit scheiterte bislang offenbar, weil man sich nicht leiden konnte, obwohl man dieselbe Meinung hatte.

Der Kormoran als Vegetarier

Hier beginnt Phase drei der Einheit: die Hoffnung auf eine gute Lobby. Während die deutschen Angler jahrelang damit beschäftigt waren, Einheitsverhandlungen zu führen und scheitern zu lassen, verloren sie bisweilen aus den Augen, warum es überhaupt Dachverbände gibt: um Einfluss zu nehmen auf die Politik, auf die Gesetzgebung. Um sich etwa gegen die so genannte Kleinwasserkraft starkzumachen, weil in den Turbinen der kleinen Wasserkraftwerke so viele Fische zu Tode kommen. Um der Öffentlichkeit zu beweisen, was man eigentlich für die Umwelt tue; dass man zum Beispiel Gewässer pflege. Und um sich gegen die eigenen "Gegner" zu wehren. Streit gibt es zum Beispiel immer wieder mit Organisationen wie Peta oder Greenpeace. "Die glauben ja – ich übertreibe jetzt ein bisschen –, dass der Kormoran ein Vegetarier ist", sagt Markstein.

Die neue Chance der Angler hängt nun ausgerechnet an der Zukunft der FDP. Die künftige Präsidentin, Christel Happach-Kasan, ist FDP-Mitglied und Abgeordnete im Bundestag. Mit ihren Kontakten und ihrer Präsenz im Parlament, so hoffen die Angler, lässt sich bessere Lobbyarbeit betreiben. Vorausgesetzt, die FDP schafft es in diesem Herbst wieder in den Bundestag.

Ein Montagvormittag, Happach-Kasan sitzt im Auto, am Abend wird sie den Außenminister des Kosovo treffen; Thema: Europa. Über ihr neues Ehrenamt als Anglerpräsidentin sagt die 63-Jährige, das sei eine "Mammutaufgabe". Auch, weil die Fischer in den mehr als 20 Jahren nach der Wende lieb gewonnene Strukturen ausgebildet hätten, die keiner aufgeben wolle. Kurzum: Sie habe erst einmal genug zu tun damit, den Verband intern zu einigen.

Auch mal gegen den Strom schwimmen

Happach-Kasan ist im östlichen Schleswig-Holstein aufgewachsen. Bis zur innerdeutschen Grenze seien es von dort aus 500 Meter gewesen, erzählt sie. "Die Wiedervereinigung war für mich ein großes Glück", sagt die Politikerin. Und: "Ich wundere mich schon, dass die Angler so lange getrennt geblieben sind, trotz vieler gemeinsamer Interessen."

Es ist eine angemessene Mischung aus Unverständnis und Fachkenntnis, mit der Happach-Kasan ihr Ehrenamt als Anglerpräsidentin antreten wird. Fischen geht sie nicht. "Ich treffe aber auch Entscheidungen zur Milchpolitik, ohne melken zu können", sagt sie.

Überzeugt hat sie die Angler aber wohl mit anderen Argumenten: Sie kommt vom Ratzeburger See. "Da ist das Kormoran-Problem akut gewesen!"

Im Parlament stellte Happach-Kasan schon Anfragen zum Stör, zur Wasserkraft, zum Aal. "Das Thema Fisch hat im Bundestag eine nicht so große Bedeutung", sagt sie. Wahrscheinlich auch, weil die Angler bislang selten mit einer Stimme sprachen. Christel Happach-Kasan will das nun ändern. Sie muss dafür Politik nach Art der Fische machen: Wellen schlagen. Wendig sein. Auch mal gegen den Strom schwimmen.