Vorbei sind die Zeiten, in denen an der Großbaustelle des neuen Berliner Flughafens Schönefeld (BER) nur noch die Zahl der Pannen wuchs. Seit Hartmut Mehdorn Anfang März den Chefsessel der Flughafengesellschaft übernommen hat, sorgt er für Aufbruchstimmung und macht damit seinen Job in den Augen der meisten Beobachter erst einmal gut. Denn die wollen nach den Monaten quälender Warterei endlich eines: Aktion.

Möglichst schnell soll der peinlichste Bau der Nation fertig werden, endlich keine negativen Schlagzeilen mehr machen. Mehdorns jüngster Coup sorgt deswegen erst einmal für Freude: Schon im kommenden Frühjahr, so sein Vorschlag, soll der Flughafen zum Teil eröffnet werden. Im August will er den Termin dafür bekannt geben.

Statt in einer Nacht die Autobahn zwischen Tegel und Schönefeld zu sperren, wie ursprünglich geplant, und dann mit Mann und Maus komplett umzuziehen, soll der Betrieb jetzt schrittweise verlagert werden. Nach und nach, so die Idee, werden die Fluglinien umziehen, nach und nach die Anlagen dort genutzt werden und die Passagierzahlen wachsen. So könnten mögliche Pannen leichter beseitigt werden. Und ganz nebenbei würde, so spekuliert Mehdorn, dies auch einen Parallelbetrieb von Tegel für weitere Jahre ermöglichen.

Flughafen. Flughafen. Flughafen

Der Plan klingt auf den ersten Blick so bestechend, dass man sich fragt: Warum ist vorher noch keiner darauf gekommen?

Leider ist die Antwort so banal wie erschreckend: Weil die schnelle Teileröffnung des neuen Terminals am Ende noch teurer und komplizierter als die bisherige Planung sein könnte. Nur werden die Risiken durch den MehdornPlan in die Zukunft verlagert. Oder anders gesagt: Erst einmal geht alles schneller, die Geduld der Beobachter wird nicht länger strapaziert. Später aber könnte das Flughafenchaos noch mal so richtig schlimm werden.

Für Mehdorn persönlich ist das alles wenig bedrohlich. Schließlich wurde der ehemalige Bahnchef ja nur als Übergangskrisenmanager eingestellt, der bald schon wieder in Rente gehen soll. Doch Mehdorns potenziellen Nachfolgern und den Berlinern droht durch seine Strategie gleich von mehreren Seiten Ärger: Erstens ist nicht sicher, wie lange die Gerichte die längere Öffnung von Tegel noch zulassen, wenn der BER in Betrieb genommen wird. Immerhin leiden die Anwohner dort schon seit Monaten unter zusätzlichem Lärm. Übergangsweise schien das zumutbar, über Jahre hinweg schadet das jedoch der Gesundheit vieler Menschen. Gut möglich ist aber, dass irgendwann ein Kläger recht bekommt und der Flugbetrieb eingestellt oder zumindest eingeschränkt werden muss.

Zweitens: Mehdorn erkauft sich den längeren Betrieb von Tegel mit einem Trick. Er will die dringend nötige Sanierung der Schönefelder Nordbahn nicht vorziehen. Sind nämlich erst beide Bahnen fertig, muss Tegel, so will es das Planungsrecht, ein halbes Jahr später schließen. Doch nur um das zu vermeiden, verschwendet Mehdorn jetzt am BER kostbare Bauzeit. Dabei braucht man dort, soll der Betrieb endlich so richtig funktionieren, zwei gut ausgebaute Bahnen.

Drittens kostet ein möglicher Parallelbetrieb von Tegel nicht nur zusätzliches Geld, er verhindert auch, dass der BER schon bald Geld verdient. Denn kaum eine Fluggesellschaft wird bereit sein umzuziehen, solange Tegel noch offen ist. Dazu ist der Flughafen bei Passagieren und damit auch bei den Airlines viel zu beliebt.

Möglich, dass all diese Risiken kontrollierbar sind. Möglich auch, dass sie kleiner sind als die, die bei einem kompletten Umzug in einer Nacht drohen. Ein guter Manager muss das abwägen – und dann entscheiden. Allerdings sollte er dann auch den Eindruck ausräumen, dass er bloß öffentlichem Druck nachgibt. Dass er möglichst bald Ergebnisse liefern will und deswegen die langfristigen Folgen seiner Entscheidung verdrängt.