Nun studiert sie, mehr als tausend Kilometer entfernt von ihrem Heimatort Heidelberg, Medizin. Aber sie will zurück. Jedes Semester bewirbt sie sich von Neuem für einen Studienplatz in Deutschland. Doch auch mit ihren Bewerbungen für ein höheres Semester hat sie kein Glück. Aus einem Semester in Pécs werden vier. Schmitt muss darauf hoffen, dass genügend andere Studenten in Deutschland die Prüfungen nicht schaffen. Das erhöht ihre Chance. Im April 2012 kommt dann der Anruf aus Freiburg. Zwei Studenten mehr als veranschlagt haben das Physikum nicht bestanden – sie darf ins fünfte Semester einsteigen. "Ich konnte das erst gar nicht glauben", sagt Tanja. Und dann war da nur noch Erleichterung.

Mit dem Anwalt ins erste Semester

Max Lorenz nimmt einen anderen Umweg. Auch er hat diesen Traum. "Schon seit ich klein bin, will ich Arzt werden", sagt er. Im Mai 2011 macht er sein Abitur. Die Note ist nicht schlecht: 2,1. Aber zu schlecht für Medizin. Über Freunde seiner Eltern hört er von der Möglichkeit, sich auf einen Studienplatz einzuklagen. Wer bei einer Internetsuche "Studienplatzklage Medizin" eingibt, erhält gleich diverse Treffer. Lorenz wendet sich an einen Hamburger Anwalt. Der lebt davon, Abiturienten in Fächer wie Human-, Zahn- und Tiermedizin, Psychologie oder Pharmazie einzuklagen. Jährlich verklagen bundesweit schätzungsweise rund 3.000 Studenten Universitäten auf einen Studienplatz. Knapp die Hälfte klagt im Bereich Medizin. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Die Klage ist für viele die letzte Hoffnung auf ihr Traumstudium. Eine Klage kostet je nach Uni zwischen 1.200 und 1.800 Euro. Familie Lorenz legt zusammen und will es versuchen.

"Die Kapazitätsberechnungen der Hochschulen prüfe ich jedes Semester neu", sagt Lorenz Anwalt. "Ich suche nach Studienplätzen, die von den Unis versteckt und weggerechnet worden sind." Zentrales Element der Klage ist dabei die Annahme, dass Unis ihre Kapazitäten nicht voll ausschöpfen und weniger Studienplätze anbieten, als sie tatsächlich könnten. Weniger als acht Unis zu verklagen macht kaum Sinn – die Chancen auf einen Studienplatz sind zu gering. Max Lorenz entscheidet sich, 20 Unis zu verklagen, es kostet mehr als 20.000 Euro.

Erst kommen nur Absagen. Er hat schon fast aufgegeben und sich eingeschrieben für Energie- und Prozesstechnik an der Technischen Universität Berlin, als Post vom Anwalt kommt: Max Lorenz hat einen Studienplatz in Medizin! Am nächsten Tag schreibt er sich an der Universität Frankfurt ein. Es ist mitten im Semester, die Kurse haben alle schon begonnen, er wird manche Kurse erst im nächsten Semester besuchen können. Doch Max Lorenz ist glücklich, den Traum nun verwirklichen zu können, den er schon als Kind hatte.