Man kennt solche tragischen Fälle aus dem Bekanntenkreis: Heimgekehrte Auswanderer bringen aus den USA ein schickes, günstiges Auto mit, um daheim festzustellen, dass der TÜV die amerikanische Scheinwerferelektronik nicht akzeptiert. Die Umrüstkosten sind gewaltig, der Frust ist groß. Hätte man’s mal gelassen.

Genau das ist jetzt dem Bundesverteidigungsministerium passiert, und zwar ausgerechnet mit dem teuersten und komplexesten Stück Rüstungsimport der vergangenen Jahrzehnte. Fünf Euro-Hawk-Drohnen, Aufklärungsfluggeräte mit Boeing-Dimensionen, sollten eigentlich schon bald auf dem Fliegerhorst Jagel bei Schleswig stationiert werden. Sie basieren auf dem US-Modell Global Hawk, dem Nachfolger des berühmten Spionageflugzeugs U-2.

Doch das Testmodell des unbewaffneten US-Vogels schaffte den TÜV nicht. Der Global Hawk wird kein Euro Hawk, weil ihm das in Europa vorgeschriebene automatische Ausweichsystem fehlt, das Kollisionen mit anderen Maschinen am Himmel verhindern soll. 1,3 Milliarden Euro habe die Bundesregierung durch dieses Planungsdesaster in den Wind geschossen, rechnet die Opposition vor. Es sei lange absehbar gewesen, dass aus der Zulassung nichts werden würde.

Wie kann so etwas passieren?

"Ja, wir hätten es wissen müssen", heißt es in Regierungskreisen. Zwar sei durchaus bekannt gewesen, dass das Ausweichsystem fehle – so dumm sei man nun nicht. Bloß habe niemand damit gerechnet, dass die notwendige Aufrüstung 500 bis 600 Millionen Euro kosten würde. Als das klar geworden sei, habe man "die Reißleine gezogen". Aber mehr als eine Milliarde Gesamtschaden? Nicht doch. Etwa 300 Millionen Euro, heißt es, seien "nicht unbedingt nutzbringend investiert worden". Denn immerhin habe sich die in Europa entwickelte Aufklärungssensorik als ganz hervorragend erwiesen.

Für die 1.500 Soldaten in Jagel dürfte das ein schwacher Trost sein. Viele von ihnen wurden schon zu Drohnenpiloten umgeschult, der ganze Fliegerhorst für Millionen Euro Hawk-gerecht umgebaut. Was jetzt aus Jagel wird, darauf hat im Verteidigungsministerium noch keiner eine Antwort. Nachgedacht wird schon über eine Alternativdrohne, und es fällt der Name Predator – auch ein US-Modell. Das aber kann nun nicht ernsthaft die Lehre aus der Luftnummer sein. Die Bundesregierung sollte jetzt vielmehr tun, was sie von Anfang hätte machen sollen: ihre Drohnen in Europa kaufen.