Vielleicht ist der Fall Hoeneß ein Kipppunkt. Nicht nur in der Karriere des Ex-Stürmers und Noch-Präsidenten des FC Bayern München. Sondern auch im Umgang der Gesellschaft mit Skandalen: Wird hier, das ist die Frage, noch ein Prominenter, der sich mutmaßlich strafbar gemacht hat, von Publikum und Presse in Grund und Boden verdammt, so wie vorher Wulff und Guttenberg und die Bischöfin Käßmann und andere? Oder dreht sich da gerade etwas, in den Medien und in der Öffentlichkeit, aus Überdruss, auch aus schlechtem Gewissen? Entsteht im Moment vielleicht ein Bewusstsein dafür, dass es so nicht weitergehen kann, dass die Erregungsmaschine außer Kontrolle geraten ist, dass Hysterie nicht nur Menschen und Beziehungen kaputt macht, sondern auch einer Demokratie schaden kann?