Ein kurzes Kopfballtraining veränderte die Leistungen in Aufnahmefähigkeits- und Gedächtnis-Tests dagegen nicht. Das zeigte eine Untersuchung der Universität Regensburg. In ähnlichen Tests einer norwegischen Studie wiesen 81 Prozent der Probanden, aktive Kicker und frühere norwegische Nationalspieler, eine beeinträchtigte kognitive Leistungsfähigkeit auf.

Sehr viel tragischer ist das Schicksal von Krzysztof Nowak. Der ehemalige Bundesliga-Profi des VFL Wolfsburg litt an amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer Erkrankung des motorischen Nervensystems. Nowak starb 2005, mit 29 Jahren. Er ist kein Einzelfall. Fußballprofis haben ein erhöhtes ALS-Risiko. Dies bestätigten unter anderem Forscher der Universität Turin, die unter 7.325 Profis fünf erkrankte Spieler ausmachten. Statistisch erwartbar waren 0,77. Eine mögliche Ursache für ALS: regelmäßige Erschütterungen des Kopfes.

Das Gehirn ist schwimmend gelagert, geschützt in der Schädelhöhle, umgeben von Gehirnflüssigkeit. Durch Erschütterungen kann es gegen Knochen stoßen und dabei verletzt werden. Beim Kopfball beschleunigt die große Masse Mensch die kleine Masse Ball und umgekehrt. Forscher der Wayne-State-Universität maßen dabei eine bis zu sechsmal so hohe Beschleunigung wie jene, die Kampfjetpiloten auszuhalten haben.

In vielen Sportarten kann sich schon ein einziges Spiel im Gehirn auswirken. So fanden schwedische Wissenschaftler bei Eishockey-, Basketball- und Fußballspielern nach ihren Wettkämpfen erhöhte Konzentrationen des biochemischen Markers S100B, der auf Schädigungen des Gehirns hinweisen kann. Im Basketball korrelierte seine Konzentration mit der Anzahl der gemachten Sprünge.

"Im Handball ist vor allem der Torwart gefährdet", sagt der Würzburger Neuropsychologe Gerhard Müller. Er gehört zu den wenigen Spezialisten in Deutschland, die Sportteams betreuen. "Handbälle werden bis zu 120 km/h schnell. Auch deshalb hat ein Torwart ein mehr als doppelt so hohes Risiko wie ein Feldspieler." Nach einer Gehirnerschütterung brauche der Stoffwechsel sieben bis 14 Tage, um sich auf den Normalzustand zu regulieren. Doch auch danach bleiben die Athleten verletzbar: "Nach der ersten Gehirnerschütterung sind Sportler anfälliger dafür, weitere zu erleiden."

In den USA arbeiten viele Profiteams mit Spezialisten für Gehirnverletzungen zusammen. Ein Grund dafür sind Studienergebnisse wie das der Universität Boston. Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirne verstorbener Armeeveteranen, Boxer, Football- und Hockeyspieler. In 68 von 85 Gehirnen zeigten sich Hinweise auf eine chronische traumatische Enzepalopathie (CTE). Zu den Symptomen dieser neurodegenerativen Erkrankung gehören Demenz und Depressionen.

CTE ist auch bekannt unter: Dementia pugilistica oder "Boxer-Syndrom". In einem Boxkampf geht es letztlich darum, dem Gegner ein Schädel-Hirn-Trauma zuzufügen, nichts anderes passiert bei einem Knock-out. Zu dessen Auswirkungen im Gehirn gibt es zahlreiche Studien. Nach einer 2010 im Deutschen Ärzteblatt erschienenen Meta-Analyse leiden zwischen 10 und 20 Prozent der Profiboxer unter anhaltenden neuropsychiatrischen Erkrankungen.

Auch unter Athleten anderer Kontaktsportarten sind neurodegenerative Krankheiten verbreitet. Alzheimer etwa. Dies brachten Daten der Universitäten von North Carolina und Michigan zutage: Die Erkrankungsrate ehemaliger Footballprofis übertraf die der Normalbevölkerung um 37 Prozent. Unter früheren Eishockeyprofis der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren war sie um das 19-Fache erhöht.