Laut KEF-Bericht sind im Laufe der Jahre über 150 dieser Tochtergesellschaften – oft an den Gremien vorbei – rund um die Mütter ARD und ZDF entstanden. Das Schöne für die Sender: Was bei den Töchtern geschieht, entzieht sich de facto weitgehend der Kontrolle. Beobachter schätzen, dass diese Tochtergesellschaften bis zu 90 Prozent ihrer Aufträge von den Stammhäusern erhalten. Freie TV-Produzenten wie der Münchener Oliver Berben beklagen deshalb "eine massive Wettbewerbsverzerrung", schon allein wegen der Bürgschaften, die von den Freien bei Produktionsbeginn beizubringen seien.

Transparenz gibt es nur in Raten. So auch, wenn Sender das Gehalt ihrer Intendanten veröffentlichen. Die sitzen von Amts wegen auch in den Aufsichtsräten von Tochterfirmen. Den Aufsichtsrat der Bavaria Film zum Beispiel führt die Intendantin des WDR. Durchschnittlich erhalten die Räte bei den Töchtern mehr als 16.500 Euro pro Kopf und Jahr. Im Geschäftsbericht des WDR ist davon nicht die Rede.

Ohne tief greifende Reformen, davon ist Gerhard Schmidt überzeugt, bleibt alles beim Alten. Der Anteil der Ausgaben für das Programm nimmt weiter ab, während die Kosten für Personal und Technik stetig steigen. Schmidts Vision: besseres Fernsehen für weniger Gebühren.

Dafür müsste man zunächst nach dem Vorbild einer Bad Bank, in der Krisenbanken ihre Schrottpapiere ablegen, einen "Bad Broadcaster" gründen, so Schmidts Empfehlung. Dort könnten die reformunwilligen Mitarbeiter und die ineffizienten Bereiche der Verwaltung versammelt werden. Finanziert werden könnte dieser Ableger durch den immensen Immobilienbesitz und die Pensionsrücklagen der Sender. Dann sei die Chance da, so Schmidt, an die Gründung eines neuen Senders zu denken, auf Basis der Empfehlungen einer Expertenkommission. Fünfjahresverträge für die Mitarbeiter, ein öffentlich-rechtliches Haus, in dem unbedingte Transparenz herrscht. "Vielleicht gelingt es sogar", malt sich der Produzent aus, "nicht mehr nur die Quote zu messen, sondern, wie früher auch schon mal geschehen, die Qualität!" Frei nach dem Motto: Möge der Bessere gewinnen!

Noch leisten sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ihr eigenes, ganz besonderes Biotop. Groß war die Aufregung im vergangenen Jahr, als herauskam, dass ARD und ZDF mehr Mitarbeiter zu den Olympischen Spielen geschickt hatten, als deutsche Sportler in London vertreten waren. Königshochzeiten sind nach wie vor ein willkommener Anlass, unter Einsatz von Adelsexperten über Stunden aus allen Rohren zu feuern. Und: Die Öffentlich-Rechtlichen kümmern sich um das Gemeinwesen im Allgemeinen. Im aktuellen Haushaltsplan des WDR wird die Zahl von 160 bis 200 Konzerten genannt, bei denen die vier Orchester allein dieses Senders aufspielen. Ohne die Pflege dieser "Klangkörper" bei den Öffentlich-Rechtlichen käme es zu einer gewaltigen Verarmung der Kulturszene, geben die einen zu bedenken. Andere weisen darauf hin, dass hier Fernsehgebühren zweckentfremdet zur öffentlichen Kulturförderung verwendet werden.

Bei der KEF in München müht man sich derweil, die Türme mit den Budget-Anmeldungen der Rundfunkanstalten abzuarbeiten. In ihrem 18. Bericht hat die Kommission "die Abschaltung der Hörfunkverbreitung über Mittelwelle und Langwelle" gefordert. "Bei vollständiger Umsetzung" soll dies mittelfristig Kosteneinsparungen von 79 Millionen Euro ermöglichen.

"Hübsche Millionen", wie ein KEF-Mann meint. Millionen, die man ins Programm stecken könnte – oder in eine kleine Senkung der Beiträge. Das Signal wäre einzigartig: Die Sender erhielten nicht jahrein, jahraus immer mehr, sondern gäben Gespartes zurück. Und schon wäre ihnen das Wohlwollen vieler Bürger, ob Zuschauer oder nicht, garantiert.