Blockupy in Frankfurt fing 2013 eher harmlos an. Bürger, die Wut auf Banken hegen oder an Europas Krisenpolitik verzweifeln, versammelten sich am Freitag vor der Europäischen Zentralbank, dann vor der Deutschen Bank. Mittags demonstrierten einige am Flughafen, manche auf der Einkaufsmeile Zeil, andere pochten auf ein "Recht auf Stadt". Mit Plakaten und Perücken, bunt und überschaubar. "Ist das alles?", rief ein Passant. Die Frankfurter blieben gelassen, fotografierten, ein Vater erklärte der Tochter, dass die Leute protestierten, worauf die Kleine fragte: "Aber warum verkleiden die sich dann so?"

Am Samstag wurde es ernst. Bei der großen Demo kesselte die Polizei kurz nach Beginn den vorderen Teil des Zuges ein – viele Stunden lang. Von Vermummung war später die Rede, von Feuerwerkskörpern und Verstößen gegen Auflagen, auf die man habe reagieren müssen. Weil der Rest sich mit den Eingekesselten solidarisch erklärte, stand alles. Die Polizei ging teils rabiat vor, offenbar auch gegen "normale" Protestler, setzte Pfefferspray ein, es gab Festnahmen sowie Verletzte auf beiden Seiten. Seither tobt ein Streit: War das Vorgehen überzogen? Geplant?

Ich vermag diese Fragen nicht zu beantworten, zu widersprüchlich sind die Darstellungen. Ich halte wenig von Demonstranten, die Krawall machen. Ich halte aber auch wenig davon, dass der Staat so massiv auftritt wie in Frankfurt. Leer lagen viele Straßen in der City da, abgesperrt mit Gittern, mit Stacheldraht. Viele Polizisten trugen Schlagstöcke, Waffen, Masken und Helme, das war furchteinflößend selbst für brave Beobachter. Ich sah viele, viele Mannschaftswagen, in den Straßen, auf der gesamten nahen Brücke, selbst am anderen Ufer des Mains drängten sie sich. Ich staunte: Bei aller Sorge vor Ausschreitungen – muss ein Finanzzentrum derart abgeriegelt werden? Muss eine Gesellschaft, die das so folgenreiche Versagen vieler Banker aushält, nicht auch die Verärgerung vieler Bürger aushalten? Ich frage nur.