Ausgerechnet der US-Autohersteller Chrysler, der einst Daimler in Existenzgefahr brachte, erweist sich jetzt für den neuen Partner Fiat als Glücksfall. Den besten Mai seit 2007 meldeten die Verkäufer der Marken Chrysler, Dodge, Ram und Jeep in Auburn Hills (Michigan) gerade. 38 Monate in Folge habe man beim Absatz zugelegt. Die Amerikaner können derzeit von den schweren Ram-Pick-ups und den SUVs von Dodge und Jeep nicht genug bekommen. Solche Meldungen erfreuen Fiat-Chef Sergio Marchionne, der im Nebenjob auch Chrysler lenkt. Schließlich hat er mit seinen Fiats, Lancias und Alfas auf dem europäischen Heimatmarkt massive Absatzprobleme. Doch Fiat besitzt mittlerweile 58,5 Prozent der Chrysler-Anteile, und der 61-jährige Marchionne möchte gerne auch den Rest übernehmen. Dieser gehört bislang der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW. Sie finanziert aus den Erträgen ihrer Beteiligung die Krankenvorsorge der Mitarbeiter.

Für sein Ziel hat der Italokanadier Marchionne die Unterstützung des Agnelli-Clans, dem 30 Prozent der Fiat-Aktien gehören. Clanchef und Fiat-Chefaufseher John Elkann hat gerade durch den Verkauf der Anteile am Schweizer Prüfkonzern SGS zwei Milliarden Euro für die Familienholding freigemacht. Damit wäre der Agnelli-Clan flüssig, um mitziehen zu können, falls Fiat zum Erwerb der Chrysler-Anteile sein Kapital erhöht.