DIE ZEIT: Frau Knies, Ihre Schule hat den Deutschen Schulpreis gewonnen, der von der Bosch- Stiftung ausgelobt wird. Herzlichen Glückwunsch! Was machen Sie besser als andere?

Angelika Knies: Wir sind rundum eine gute Schule. Wir definieren uns über ein Konzept, das ganzheitlich überlegt, wofür die Schule da ist: nämlich für die Schülerinnen und Schüler. Und wir haben eine Vision, was eine gute Schule ausmacht.

ZEIT: Und das wäre?

Knies: Eine Schule sollte ihre Schüler zu den höchstmöglichen Leistungen führen und dafür sorgen, dass sie Verantwortung übernehmen: füreinander und für das Umfeld. Die Lehrer sollen die Stärken der Schüler aufzeigen und nicht ihre Schwächen.

ZEIT: An Ihrer Gemeinschaftsschule werden bis zur 10. Klasse alle gemeinsam unterrichtet. Wie geht das, ohne dass jemand zu kurz kommt?

Knies: Das schaffen wir mit Aufgabenstellungen, die sehr offen sind. Unten sichert eine Basis das minimale Lernziel. Nach oben müssen die Übungen so offen sein, dass jeder, auch der Intelligenteste, immer noch gefordert ist, weiterzudenken.

ZEIT: Auf der anderen Seite legen Sie Wert darauf, dass die Schule nicht in erster Linie Fachwissen vermitteln soll.

Knies: Ja, weil Schüler vor allem lernen müssen, wie sie sich Wissen aneignen. Das geht mit Projekten, die eine Anwendung im Leben haben. Unsere Schüler haben zum Beispiel für das Max-Planck-Institut Klimakarten erstellt und Daten ausgewertet. Stumpfes Auswendiglernen hilft bei solchen Projekten nicht weiter.

ZEIT: Prämierte Schulen werden gern verdächtigt, dass sie gut abschneiden, weil sie privilegiert sind. Wählen Sie Ihre Lehrer oder Schüler aus?

Knies: Nein. Wir stellen unsere Schüler gezielt heterogen zusammen: Wir nehmen je ein Drittel mit Haupt-, Real- und Gymnasialempfehlung. Unsere Lehrer sind normal ausgebildet. Wir nehmen nicht die mit den besten Noten und erst recht keine Fachidioten. Sondern jene, die gut zu uns passen.