Was Augustus für Rom tat, habe Karl IV. für die Hauptstadt Böhmens bewirkt, wusste schon ein Mailänder Chronist im Jahr 1399. Nach seiner Wahl zum römisch-deutschen König 1346 sowie der Kaiserkrönung 1355 machte Karl Prag zum bedeutendsten Kunstzentrum im Reich; von überallher kamen die Künstler. So entstand in Böhmen im 14. Jahrhundert die feinste gotische Malerei, mit hauchzart fließenden Gewändern und charakteristisch bräunlich-exotischen Gesichtern. In der Prager Nationalgalerie kann man sich kaum sattsehen an dieser Kunst.

Am Markt tauchen Werke aus dem Umkreis von Karls Hofkunst eigentlich nicht auf. Umso sensationeller ist es, dass der Münchner Kunsthändler Sascha Mehringer ein Bild anbieten kann, das den Stil des Meisters von Hohenfurth trägt, und zwar in bester Qualität. Nur 20 Zentimeter hoch ist die Tafel, ursprünglich wohl Teil eines Diptychons für den privaten Gebrauch. Zu sehen sind die böhmischen Landesheiligen Prokopius (links) und Adalbert – mit ihrer dunklen Haut erinnern ihre Gesichter an jene Giottos und der italienischen Vorrenaissance. Diese fernen Einflüsse griff der anonyme Meister auf, als er Mitte der 1340er Jahre für das Kloster Hohenfurth (Vissy Brod) neun Tafeln malte – heute in der Prager Nationalgalerie – und ebendiesen Hausaltar. Die kleine Darstellung Prokopius’ und Adalberts war 2005 im Metropolitan Museum in New York ausgestellt. Jetzt trennt sich ein italienischer Sammler von dem Täfelchen; 2,5 Millionen Euro soll es kosten. Ein Museum ist wohl bereits an diesem raren Meisterwerk interessiert.