José Manuel Barroso ist gerne Präsident. Mögen andere an der EU und ihrer Kommission verzweifeln, dem Portugiesen bietet sie die Bühne seines Lebens. Gerade erst war er in Moskau, Auge in Auge mit dem russischen Präsidenten, hat er die europäischen Interessen vertreten. Und dabei gestrahlt. José Manuel Barroso strahlt fast immer. Alleine das hebt ihn ab von all den Schwarzmalern und Miesepetern, die Europa bevölkern. Selbst der Umzug von Lissabon nach Brüssel hat seiner guten Laune nichts anhaben können. An guten Tagen nimmt Barroso es sogar mit dem belgischen Wetter auf. Und gute Tage gibt es viele im Leben des EU-Kommissionspräsidenten.

Nur in der vergangenen Woche, da lief es nicht so rund. Begonnen hatte alles damit, dass Helmut Schmidt nach Paris gefahren war, um eine letzte Zigarette mit seinem Freund Giscard d’Estaing zu rauchen. Und dabei fürchterlich auf die EU-Kommission zu schimpfen. Deren Präsident? "Taugt nichts." Ach, alte Männer, was soll man darauf geben. Am Donnerstag ging es dann weiter, wieder blies der Wind aus Westen. François Hollande zürnte, Frankreich lasse sich nichts von der EU-Kommission "diktieren". Ein offenes Wort von Präsident zu Präsident. Das fanden sie in Brüssel schon weniger lustig.

Am Freitag schließlich hielt der britische Außenminister William Hague eine Rede über die EU. Einmal erwähnte er auch die Kommission, es ging um das glücklich gescheiterte Verbot von offenen Olivenölkännchen, das die Behörde geplant hatte. Auch Hagues Satz, die Briten hätten häufig das Gefühl, die EU sei "glücklich zu reden, aber nicht besonders interessiert daran, zuzuhören", haben böswillige Naturen spontan mit Barroso in Verbindung gebracht. Ein Präsident hat nun mal wenige Freunde. Früher gehörte wenigstens Angela Merkel dazu. Aber auch diese Beziehung hat sich abgekühlt.

Vor ein paar Wochen hat Barroso deshalb versucht, die alten Bande wiederzubeleben: Niemand verstehe so gut wie Merkel, was gerade in Europa geschehe, säuselte er. Die Kanzlerin bedankte sich auf ihre Weise. Am Sonntag erklärte sie, sie sehe vorerst keine Notwendigkeit, "noch mehr Rechte an die Kommission nach Brüssel abzugeben". Damit ging die Woche zu Ende.

José Manuel Barroso war am Sonntag in Kasachstan. Die Eurasische Nationale Gumiljow-Universität verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Barroso strahlte. Man muss sich den Präsidenten als einen glücklichen Menschen vorstellen.