Manche Eltern backen Kuchen, andere schicken niedliche Kinderfotos oder versuchen bei "Schnupperstunden" sympathisch zu wirken. Schon bisher war es mühsam für Eltern, Betreuungsplätze für Kleinkinder zu finden. Seit vergangener Woche ist die Suche noch unangenehmer geworden. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), einer der großen Kita-Betreiber im Land, warnte vor der schlechten Qualität vieler Einrichtungen, auch der eigenen: Die Kita-Gruppen würden immer größer, außerdem müssten immer mehr fachfremde und schlecht qualifizierte Betreuer eingesetzt werden. Eine Umfrage der AWO zeigte: Überall fehlt Personal, mit dem sich der von August an geltende Rechtsanspruch auf Betreuung der unter Dreijährigen umsetzen ließe, finden die Einrichtungen Lösungen zulasten der kleinen Kinder und ihrer Eltern.

Was macht die Bundesregierung? Statt jeden verfügbaren Euro in die Verbesserung der Kinderbetreuung zu investieren, verspricht die Kanzlerin mehr Kindergeld und Steuersenkungen für Familien. 7,6 Milliarden will die Union laut Wahlprogramm dafür ausgeben, mehr als Elterngeld und Betreuungsgeld zusammen kosten. Pro Kind bekämen Eltern monatlich 34 Euro mehr.

Dieses Geschenk werden viele gerne mitnehmen – an den größten Problemen der Familien, vor allem derjenigen mit wenig Geld, ändert sich dadurch nichts. Die Wartelisten der Kitas zeigen, dass die meisten Eltern öffentliche Kinderbetreuung nutzen wollen oder müssen. Viele Eltern können aus finanziellen Gründen nicht frei entscheiden, ob und wie intensiv sie ihre Kinder zu Hause selbst betreuen.

Würde in die Bezahlung der Erzieher investiert, in kleinere Gruppen, bessere Lernangebote, wäre das für die meisten Familien ein Segen. Schon vor dem massiven Kita-Ausbau waren Bezahlung und Qualifikation von Erziehern und vor allem Tagesmüttern in Deutschland dürftig. Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zeigte gerade, dass der von Experten empfohlene Personalschlüssel von einem Erzieher für vier Kleinkinder in keinem Bundesland Standard ist.

Als die Bundesregierung ein flächendeckendes Angebot für Kleinkinder ankündigte, war von Betreuung die Rede, nicht von Verwahrung! Von einer bürgerlichen Regierung ist vielleicht nicht zu erwarten, dass der Krippenausbau ein Herzensthema wird. Aber sie muss halten, was sie verspricht.