In Mexiko-Stadt fand vergangene Woche ein Kongress über die geopolitische Zukunft Lateinamerikas statt, im Programm stand viel Ernstes über die "Bildung eines souveränen Machtblocks" und eine "neue Ordnung für die Zeit nach der Marktwirtschaft", aber die Brasilianer wollten die Sache offenbar mit betonter Fröhlichkeit angehen. Glanzleistungen erbrachte etwa ein pensionierter General aus Rio de Janeiro, der während seines Vortrags ins Publikum strahlte und malerische Fotos von Stränden an die Wand projizieren ließ. Die Zuschauer aber – Militärs aus der Region, Sicherheitsforscher, Gesandte aus aller Welt – hörten genau zu, was er sagte: Wer viele Rohstoffe habe, der wecke Begehrlichkeiten! Man erwarte "asymmetrische Bedrohungen, könne deswegen aber auch keine traditionellen Kriege ausschließen"! Brasilien "braucht seine Waffen, um Frieden zu halten", man rechne mit neuen Meeresdisputen, man werde mehr Atom-U-Boote bauen. Die Reaktion aus dem Publikum war verhalten. Wie groß denn die Angst vor den Nachbarn sein müsse, wenn man seinen Verteidigungsetat jährlich so drastisch erhöhe wie Brasilien? Könne man ein Land als friedfertig begreifen, wenn es für schnellen Profit den Regenwald abholze und gewaltsam Indianervölker umsiedele? Am zweiten Tag führte ein Sicherheitsexperte aus São Paulo seinen Vortrag mit "Wir alle sind Brüder!" ein. Das wollte aber wirklich keiner mehr hören.