Ein Fest in einem kleinen, feinen Pekinger Hofhaus. Im Hof wächst der Bambus, auf dem Tisch blubbert der Feuertopf, die Hollywoodschaukel quietscht. Ein Künstler lebt hier, er arbeitet für Anthropologiemuseen im ganzen Land. Er hat sich auf das Malen von Mammuts, Urrhinozerossen und Urantilopen spezialisiert, am stolzesten aber ist er auf seine Himmel, "italienischer Stil". Einer der Gäste war früher als Reiseführer tätig, vor Kurzem hat er seinen Job an den Nagel gehängt, "um sich selbst zu finden". Da er ein Freund meiner eher esoterisch veranlagten Freundin Xu Na ist, gehe ich davon aus, er habe sich eremitenhaft zurückgezogen und gehe taoistischen Atemtechniken nach. Aber nein, er findet sich, indem "ich schlafe, Poker spiele und mit Freunden trinken gehe". Er hat Kaviar dabei, den haben ihm einst russische Kunden geschenkt. Er wirft ihn auf den Tisch und knurrt: "Hier, esst ihr das, ich kann das Zug nicht mehr sehen." Vorsichtshalber fügt er hinzu: "Ist sauteuer."

"Wie isst man das?", fragt eine Frau. "Na, auf Brot." Brot gibt es nicht, dafür Shaobing, eine Art salzigen Fladen, auf den die Frauen nun andächtig Kaviar streichen. "Schmeckt’s denn?" – "Nein. Aber schön soll’s machen. Und das ist ja das Wichtigste."