DIE ZEIT: Herr Grillo, wären Sie persönlich bereit, höhere Steuern zu zahlen?

Ulrich Grillo: Ich halte meinen Steuersatz für hoch genug. Ich bin überzeugt, dass die Steuersätze in Zeiten der Rekordeinnahmen nicht erhöht werden sollten. Die öffentliche Hand nimmt im Jahr mehr als 600 Millionen Euro ein. Was macht sie eigentlich mit dem ganzen Geld?

ZEIT: Wie erklären Sie sich das Gefühl vieler Bürger, dass "die da oben" nicht genug Steuern zahlen?

Grillo: Tatsache ist: Die oberen zehn Prozent der Steuerpflichtigen tragen 55 Prozent der Einkommensteuer. Übrigens zahlen neun von zehn Unternehmen Einkommensteuer, die anderen zahlen Körperschaftsteuer. Die wollen nicht noch mehr Steuern zahlen, sondern lieber investieren. Das hat für mich gar nichts mit unten und oben zu tun.

ZEIT: Sie sind doch "oben".

Grillo: Wenn Sie damit meinen, dass ich einen Anteil an einem Familienunternehmen habe, stimmt das. Aber damit schaffen wir Werte, beschäftigen Menschen und sorgen für soziale Sicherheit. Viele Menschen setzen deswegen übrigens viel Vertrauen in den eigenen Arbeitgeber. Der schneidet im Ansehen regelmäßig sehr gut ab.

ZEIT: Trotzdem hat das Image der Wirtschaft und das der Manager in der letzten Zeit gelitten.

Grillo: Wie überall gibt es schwarze Schafe. Mindestens 99 Prozent der Unternehmer beachten die Gesetze, zahlen ehrlich Steuern und arbeiten sauber. Dass diese Mehrheit durch Extremfälle diskreditiert wird, halte ich für den eigentlichen Skandal.

ZEIT: Die Vermögensverteilung geht in Deutschland kräftig auseinander. Diese Entwicklung wird durch Erbschaften noch zunehmen. Ist es gerecht, dass die einen immer mehr haben, das vererben und deren Kinder dann noch mehr besitzen?

Grillo: Wo steckt denn das meiste Vermögen? Es ist in Unternehmen gebunden. Da sichert es Arbeitsplätze. Vermögensteuern oder Vermögensabgaben würden Unternehmen und Belegschaften schaden.

ZEIT: Ist es gerecht, wenn eine Familie das Häuschen der Eltern steuerfrei erbt und eine andere beim Kauf Grunderwerbsteuer zahlen muss?

Grillo: Sicher ist das gerecht. Die Gesellschaft muss den Anreiz unterstützen, dass Menschen etwas von bleibendem Wert schaffen, was am Ende den Nachfahren vererbt wird. Sonst würde weniger gespart und investiert. Das Familienhaus haben die Eltern gebaut. Die haben etwas geschaffen, während andere lieber konsumiert haben. Dafür kann man doch nicht deren Kinder bestrafen.

ZEIT: Nach dieser Logik wird man aber die Kinder bestrafen, die nichts erben. Die haben mit der Geburt eine schlechtere Chance.

Grillo: Wichtiger als das geerbte Häuschen ist die Chance für jeden auf Bildung und Aufstieg. Diese Chancengerechtigkeit muss es geben.

ZEIT: Ist es gerecht, wenn ein Händler einer großen deutschen Bank 80 Millionen Euro verdient?

Grillo: Das ist sicher nicht angemessen. An den Finanzmärkten sind die Boni aus dem Ruder gelaufen. Dennoch bin ich gegen Dirigismus. Wir haben in der Verfassung verbriefte Grundrechte auf Eigentum und unternehmerische Freiheit. Deswegen sollte der Gesetzgeber trotz mancher Exzesse nicht in die Gehaltsfindung eingreifen.