Seit Mai schenken mir der Bund und Kalifornien 10.000 Dollar, wenn ich mir den rein elektrisch betriebenen Fiat 500e kaufe. Fiat legt noch einmal drei Tausender drauf; so stürzt der Preis auf umgerechnet 15.000 Euro ab. Im selben Wonnemonat Mai gingen die Elektroautohersteller Coda und Better Place pleite; Fisker steht kurz vor der Insolvenz, weil sein Batterie-Ableger A123 schon letztes Jahr dahingeschieden ist. Alle wurden märchenhaft vom Staat subventioniert.

Der Elektrohype verblasst, obwohl Obama wie auch Merkel frohgemut von je einer Million E-Autos geplaudert haben, die bis 2015 oder 2020 durch die Straßen summen würden. Es ist ein klassischer Fall von Staatsversagen. Manchmal geht’s nicht ohne Staat, wenn eine revolutionäre Technologie immense Start-up-Kosten erfordert; denken wir an die Eisenbahn im 19. Jahrhundert. Dass dabei die Barone immens reich wurden (und die Steuerzahler ärmer), haben wir hingenommen, weil die Eisenbahn einen Wachstumsschub sondergleichen hergab.

Bloß haben es derlei gehätschelte Industrien auch an sich, Preise zu treiben und Fortschritt zu bremsen – denken wir an die Wählscheibentelefone, dann an die Gebühren vor und nach der Privatisierung. Minitel, eine Art Suchmaschine, wurde zwanzig Jahre lang von der französischen Post geschützt; darüber hat das Land fast das Internet verschlafen. Noch schlimmer wird es, wenn der Staat politische Ziele vorgibt und dafür favorisierte Firmen einspannt, ohne an Wirtschaftlichkeit zu denken. Woher weiß ein Beamter, was sich in zehn, zwanzig Jahren rechnen wird? Doch auch die Beschenkten müssen nicht rechnen, und deshalb gehen sie pleite; siehe die Bankrottwelle in der Solarindustrie in Deutschland und Amerika.

Industriekenner werden jetzt "Einspruch!" rufen und auf Tesla, eine hiesige E-Auto-Firma, verweisen, die gerade zum ersten Mal schwarze Zahlen schreibt und eine knapp halbe Milliarde an Staatsdarlehen frühzeitig zurückzahlt. Schaut man genauer hin, wie es die Los Angeles Times und das Wall Street Journal getan haben, müsste Tesla ebenfalls Konkurs anmelden. Subsidien und Steuernachlässe für die Käufer summieren sich auf 45000 Dollar pro Auto. Graben wir noch etwas tiefer. Den größten Gewinnbrocken hat sich Tesla mit dem Verkauf von Emissionszertifikaten an die konventionelle Konkurrenz geholt, welche die staatlichen CO₂-Grenzen nicht erfüllt. Morgan Stanley rechnet hoch, dass Tesla damit 2013 eine Viertelmilliarde Dollar abräumen wird. Der Staat verfügt, und Tesla nimmt.

Dabei hat der kritische Ökologe Bjørn Lomborg ausgerechnet, dass Herstellung und Betrieb eines E-Autos in dessen Lebenszeit mehr Umweltbelastung produzieren können als kleine, effiziente Benziner. Der kluge Staat würde nicht wenige Leute wie die Tesla-Eigner sehr reich und viele Steuerzahler ärmer machen, sondern Abgas-Limits (ohne "Ablass"-Handel) setzen und es dem Markt überlassen, wie er die erreicht. Die Industrie schreit, aber baut bessere Autos und experimentiert mit Alternativen zum herkömmlichen Antrieb. Der Staat, wie die E-Pleiten in Amerika und Europa zeigen, hat kein glückliches Händchen bei der Kür von Gewinnern und Verlierern – schon gar nicht, wenn die Technik sich tagtäglich selber revolutioniert.