1964 errang die Bundesrepublik Deutschland – wir waren unter vielen Profiteams reine Amateure – bei der Schacholympiade in Tel Aviv völlig überraschend die Bronzemedaille, nicht zuletzt weil ich als Newcomer mit 12,5 Punkten aus 15 Partien über mich hinauswuchs und vor allem in der allerletzten Partie dieser Olympiade, einem komplizierten Turmendspiel, den ungarischen Großmeister Levente Lengyel bezwang; ansonsten wären die deutlich favorisierten Ungarn Dritter geworden. Natürlich ist dies eine meiner liebsten Erinnerungen.

Als ich kürzlich beim Schachhistoriker Frank Mayer las, dass Lengyel am 13. Juni seinen achtzigsten Geburtstag feiert und just im Jahre 1964, noch vor der Schacholympiade, sich zwei Mal in scheinbar verlorenen Stellungen wundersam in ein Remis rettete (Gott sei Dank waren für mich nicht aller guten Dinge drei), wollte ich Ihnen eine dieser beiden Rettungen mitteilen.

Mit zwei Bauern weniger scheint Lengyel als Schwarzer beim Turnier in Málaga gegen seinen Landsmann Lajos Portisch, damals einer der Besten der Welt, völlig verloren zu sein. Doch mit einer herrlichen Kombination, die an die Entfesselungskünste eines Houdini (übrigens heute Name des weltbesten Schachprogramms) erinnert, konnte er als Schwarzer am Zug noch ein Patt, also Remis, herbeiführen – dabei darf keine seiner Figuren mehr ziehen können, ohne dass sein König im Schach stünde. Wie kam’s?

Lösung aus Nr. 24:

Schwarz scheint auf dem Siegespfad zu sein, dummerweise war aber sein tollkühn ins weiße Lager eingedrungener König höchst verletzlich. Wie setzte Weiß am Zug matt? Nach 1.Sd3! war das Matt durch den Turm mit Ta1-e1 nicht mehr zu vereiteln, auch 1...exd4+ 2.Kc2 brachte nur einen Zug Aufschub.