Meine Träume sind meistens sehr intensiv, vor allem wenn ich mich gerade in einer schwierigen Lebenssituation befinde und nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. In einer solchen Situation stelle ich mir selbst Fragen, bevor ich zu Bett gehe. Ich pflanze diese Frage tief in mein Bewusstsein, und sehr oft werde ich dann mit einer Antwort wach. Oder zumindest mit der Erinnerung an einen Traum, der die Lösung, die ich suche, für mich bereithält.

Es kommt auch vor, dass ich mich nach dem Aufwachen nicht an meine Träume erinnere. Aber dann geschieht häufig im Laufe des Tages etwas, was die Erinnerung an das Geträumte wieder aufblitzen lässt. Wenn nicht, nehme ich meine Frage in der nächsten Nacht erneut mit in meine Träume. Spätestens in der dritten Nacht finde ich dann meine Antworten.

Natürlich sind sie keine konkreten Handlungsanweisungen, ich bekomme da nie ein Ja oder Nein. Aber sie helfen mir, Klarheit über meine Gefühle zu erlangen und meine Sehnsüchte, Ängste und Bedürfnisse besser zu verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle wichtigen Antworten in uns selbst finden können. Meine Träume bieten mir eine Möglichkeit dazu.

Sie sind sehr persönlich, in einer gewissen Weise sind sie eine Erweiterung meines Bewusstseins. Ich bin ein sehr zurückhaltender Mensch, meine Träume sind wie ein geheimer Schatz für mich. Überhaupt glaube ich, dass zu viel Interpretation den Träumen schadet. Ich habe einige Male die Erfahrung gemacht, dass sie etwas von ihrer Bedeutung verlieren, wenn ich ihre genauen Inhalte mit anderen teile. Wenn ich meine Träume in Worte fasse, könnten sie ihre Kraft verlieren. Ich gehe eher intuitiv mit ihnen um, erfasse ihre Bedeutung, ohne sie wirklich zu analysieren.

Neben diesen nächtlichen Träumen gibt es auch noch einige bewusste, wache Träume, die mein Leben geprägt haben. Als Kind war mein drängendster Traum, meine Mutter vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren. Nach der Flucht aus Kuba und der Trennung von meinem Vater hat sie mich und meine Geschwister allein durchbringen müssen. Sie hat sich aufgerieben, um uns Kleidung, Essen und ein Dach über dem Kopf geben zu können. Sie war meistens sehr gestresst, überarbeitet und voller Angst, die Rechnungen nicht zahlen zu können. Ich wuchs mit der tiefen Sehnsucht auf, sie eines Tages von diesem Druck und der ständigen Existenzangst befreien zu können. Dieser Traum war ein wichtiger Antrieb für mich.

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

In gewisser Weise bin ich für meine Eltern der große amerikanische Traum in Person. Sie sind schon vor meiner Geburt in die USA gekommen. Wie viele Einwanderer, die bereit sind, für ihre Träume immense Risiken einzugehen, waren sie von der Hoffnung getrieben, ihren Kindern bessere Chancen im Leben zu eröffnen. Es ist ein gutes Gefühl, dass es mir gelungen ist, diese Chancen zu nutzen und ihnen heute etwas zurückgeben zu können.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio