ZEITmagazin: Gab es musikalisches Talent in Ihrer Familie?

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Pereira: Bei uns gab es eine große musikalische Tradition. Mozart hat bei meiner Urururgroßmutter Fanny von Arnstein gewohnt, er hat dort die Entführung aus dem Serail geschrieben und Streichquartette und Klavierkonzerte komponiert. Sie hat die Akademien von Haydn und von Beethoven mitfinanziert oder ganz finanziert und war eine der Mitbegründerinnen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Der andere musikalische Strang war, dass die Schwester dieser Urururgroßmutter die Mutter von Felix Mendelssohn Bartholdy war. Aber dass sich das jetzt so durch die Familie durchgezogen hätte bis zu mir, nein, das ist konstruiert. Ich habe nicht in einem Haushalt gewohnt, wo täglich Kammermusik gespielt wurde.

ZEITmagazin: Haben Ihnen im Musikgeschäft Ihre Erfahrungen als Verkäufer geholfen?

Pereira: Sehr sogar. Ich hatte damals ein Gebiet an der Mainzer Landstraße in Frankfurt und ging mit meiner Rechen- oder Schreibmaschine unter dem Arm von Haus zu Haus. Neun von zehn Leuten droschen mir die Tür vor der Nase zu. Die Erfahrung hat mir unendlich viel geholfen. Ich habe seitdem die Fähigkeit des Stehaufmännchens, nicht beleidigt zu sein, wenn jemand zu mir Nein sagt. Ich glaube, dass ich in all diesen schwierigen Kulturbetriebssituationen, in denen ich mich befunden habe und immer noch befinde, sonst nicht überlebt hätte.

ZEITmagazin: Vielleicht sind Sie einfach mutiger als andere.

Pereira: Nein, es ist diese Erfahrung. Mit Hunderten von vor der Nase zugeschlagenen Türen habe ich mir das erarbeitet. Ich bin eigentlich sehr scheu und schüchtern, das hat mich sehr viel Kraft gekostet.