Als noch kein Journalist ihn befragt, kein Kameramann ihn gefilmt, kein Fernsehmoderator ihn zum Gespräch gebeten hat, als die Welt ihn noch nicht kennt, steht Thomas Herndon in einem Aufzug und bewegt sich auf eine Rechenaufgabe zu. Es ist der 5. September 2012, kurz vor halb zehn morgens. Herndon studiert Volkswirtschaftslehre an einer unbedeutenden Universität in der Kleinstadt Amherst im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts. An diesem Tag soll er das Thema für eine Hausarbeit bekommen.
Im neunten Stock des Fakultätsgebäudes steigt Herndon aus. Er betritt den Seminarraum und setzt sich ans Fenster, wie meistens. Herndon, ein pausbäckiger 27-Jähriger mit schwerer Brille, ist im staubigen Texas aufgewachsen, das satte Grün im Nordosten der USA fasziniert ihn noch immer.