Das Beste kommt zum Schluss – Seite 1

Einfach zu kochen ist nicht leicht. Doch die Teilnehmer des diesjährigen ZEITmagazin-Kochwettbewerbs nahmen die Herausforderung gern an – "Einfach gut", so lautete das Motto.

Die Finalisten waren nicht nur tollkühn genug, für eine Abendgesellschaft von fünfzig bis sechzig Gästen zu kochen. Sie mussten auch den Mut haben, "einfach gute" Gerichte in ihr Menü einzubauen, klassische Rezepte, die jeder kennt beziehungsweise zu kennen glaubt – und deshalb zu beurteilen weiß.

Vor zwei Wochen fand im Grandhotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach die erste der beiden Wettkochveranstaltungen statt. Da gab es "ein seelenbauchwärmendes Menü" von Reinhild Verburg-Köhler aus Frankfurt und ein Menü der "Kontraste und farblichen Gegensätze" von Lothar Spielhoff aus Bremen. Als Reinhild Verburg-Köhler bei der Vorstellung erzählte, wie viele (uneingelöste!) Eheversprechen ihr Freund ihr schon gemacht habe für die Kalbsbäckchen mit Kartoffelpüree, da hatte sie das Publikum erst einmal auf ihrer Seite.

Ali Güngörmüs aber behielt einen kühlen Kopf und merkte kritisch an, dass die Kalbsbäckchen in Rot- statt in Weißwein oder überhaupt nur in Brühe geschmort worden waren. Und der eine oder andere im Saal erinnerte sich an das Kartoffelpüree seiner Kindheit, das doch viel aromatischer und luftiger gewesen sei.

Kritik ist jeder Koch gewohnt, ob sie nun zu Hause am Esstisch von den Lieben geäußert wird oder von den Siebecks. So hatte Lothar Spielhoff seinen Kabeljau zwar perfekt gegart. Aber die Soße? "Bei einer Senfsoße müssen mir die Augen tränen!", rief Barbara Siebeck, und auch ihr Gatte Wolfram grantelte etwas von "lasch" und "unentschieden" und "Das ist keine Senfsoße".

Wo man doch genauso gut der Meinung hätte sein können – wie etwa Joachim Wissler und Markus Graun, die beiden gastgebenden Köche aus Schloss Bensberg –, dass die Soße, wäre sie schärfer gewesen, das feine Fischaroma völlig überdeckt hätte. Die Senfsoße jedenfalls hielt Wolfram Siebeck nicht davon ab, etwas später am Abend zu erklären: "Das war das beste Finale des Kochwettbewerbs, seit wir ihn haben."

In Stuttgart siegt die Krensuppe

Vor dem Hauptgericht hatte Reinhild Verburg-Köhler eine Brühe mit Markklößchen und Lothar Spielhoff eine Tomatenessenz mit Ricottaklößchen serviert. Theresa Breuer, die junge Starwinzerin aus Rüdesheim ("Ich bin ein Suppenfan!"), fragte sich noch, ob es problematisch war, die säuerliche Tomatenessenz mit ihrem Riesling "Rüdesheim Estate" zu begleiten. Doch Lothar Spielhoff hatte so viel mehr Publikumsstimmen für seine Suppe geholt, dass ihm auch ein relativ ausgeglichenes Ergebnis bei Hauptgang und Dessert den eindeutigen Sieg nicht mehr nehmen konnte. Nachdem er eine französische Apfeltorte gereicht hatte (und seine Konkurrentin eine Panna cotta mit Erdbeermus), war er der stolze Besitzer eines nagelneuen Weinkühlschranks von Gaggenau.

Letzte Woche dann in Stuttgart: Im Hotel am Schlossgarten trafen zwei Hobbyköche aus dem Ausland aufeinander – Daniel Mutschlechner aus Dornbirn in Österreich und Lukas Schweizer aus Schaffhausen in der Schweiz. Und obwohl Herr Schweizer wissen musste, dass Cornelia Poletto wie schon seinerzeit bei der Jurysitzung in Hamburg (ZEITmagazin Nr. 19/13) anmerken würde, ein Nudelgericht könne nie, nie ein Hauptgang sein, servierte er nach dem marinierten Pulpo ganz selbstbewusst "Ghacktes mit Hörnli", einen Schweizer Klassiker aus Hörnchennudeln mit Hackfleischsoße. Und Siebeck schätzt Nudeln nicht einmal als Zwischengang. Handwerklich war an Schweizers Menü allerdings rein gar nichts auszusetzen, und seine Tarte Tatin, serviert mit Vanilleeis, entzückte die Gäste. Zum Schluss aber gewann Daniel Mutschlechner dank einer perfekt gewürzten Krensuppe mit gebratenen Speck- und Brotwürfeln, eines Lagrein-Rindfleischs mit Laugenknödeln und Lauchchampignons und eines Desserts aus weißem Schokoladenmousse mit Kürbiskernen und Apfelragout.

Und das, obwohl mancher Gast anmerkte, die Laugenknödel seinerzeit bei der Oma... Einfach zu kochen ist eben nicht leicht.