Ich hatte keine Carrera-Bahn. Ich hatte auch kein ferngesteuertes Auto, nur ein ferngesteuertes Boot, das aber meistens von meinem Vater dirigiert wurde, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Nicht dass mir eine Carrera-Bahn besonders gefehlt hätte, aber bei Freunden, die eine besaßen, fand ich das doch immer toll. Genau wie Autoscooter fahren oder Kettcar.

Das Auto, das da vor mir steht, erinnert mich irgendwie an diese Zeit: Klein, flach, rundlich und eckig zugleich, zwei Streifen auf der Motorhaube hat es auch, ein richtiges kleines Rennauto. Innen ein riesengroßer runder Tacho, erinnert an ein Bullauge, das Hin- und-her-Geflattere der Nadel macht auch ziemlich Eindruck. Das Stoffdach muss mit einem Griff manuell geöffnet werden, bevor man es einfahren kann, sehr nostalgisch. Ruck, ruck, ruck. Los geht’s. Ziel: Potsdam, Heiliger See.

Auf der Avus ist 100 Höchstgeschwindigkeit, aber das Auto brummt munter-aggressiv, als wären wir schon bei 200. Als besonderen Clou fährt es bei höheren Geschwindigkeiten einen kleinen Heckflügel aus. Lieber als auf der Avus im Feierabendverkehr würde man es auf einer Carrera-Bahn testen, mit Rundenzähler und Looping. Da passt es irgendwie besser hin.

Noch etwa 20 Minuten bis zum See. Wolken ziehen auf. Ob man das Verdeck auch auf der Autobahn schließen kann? Wenn ich ein kleiner Junge wäre, würde ich es vielleicht versuchen.

Potsdam, 22 Grad. Beim Einparken geht das übliche Gepiepe los – schade, in diesem Fall wäre ein bisschen weniger Elektronik auch (siehe manuell zu lösendes Stoffdach) schön gewesen. Es dauert aber nicht lange, weil der Kleine wunderbar in die Lücke schlüpft. So, jetzt noch das Verdeck, ruck, ruck, ruck – und zu.

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Der Himmel ist nun ganz grau geworden. Egal, für eine Runde im See mag das Wetter noch reichen. Ein paar Schwimmzüge, das Wasser ist kalt, dann fängt es an zu tröpfeln, schnell zurück zum Ufer. Pitschnass zurück ins Auto. Der Regen prasselt aufs Stoffdach. Gemütlich. Nur das Radio hat dagegen keine Chance. Jetzt sind die Straßen leer, und fast fühlt man sich, als wäre man allein auf einer Rennstrecke. Wäre ich ein kleiner Junge mit großem Taschengeld, würde ich mir das Auto bestimmt kaufen.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 105 kW (143 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h
CO₂-Emission: 118 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter
Basispreis: 27.750 Euro

Christine Meffert ist Textchefin beim ZEITmagazin