Bären und Russen haben keine gute Presse. Das ist ungerecht gegenüber den Russen, nicht gegenüber den Bären. Die Russen sind ein großes Kulturvolk, und sie können nichts dafür, dass sie einen Präsidenten haben, der sich gerne mitten im Wald als stolzer Jäger in Tarnuniform ablichten lässt. Wobei, wenn er bei dieser Gelegenheit auf einen Bären zielte, könnte man ihm das machohafte Gehabe fast verzeihen. Womit wir bei dem eigentlichen Missverständnis wären, dem Bären.

Der Bär ist weder kuschelig noch klug, noch sonst irgendwie freundlich. Er ist ein sehr, sehr starkes und sehr, sehr dumpfes Tier. Selbst ein gestandener russischer Mann wie Wladimir Putin muss sich vor Bären fürchten, was wiederum rechtfertigen würde, warum er mit einer Flinte durch den Wald rennt.

Lassen Sie sich von diesem Tier nicht täuschen, nur weil es Honig liebt und als Teddy in Ihrem Kinderbett gelegen hat. Der Bär kann sehr grausam sein, selbst wenn er auf den lustigen Namen Balu hört. Es war nämlich ein Bär namens Balu, der unlängst im Wildparadies Tripsdrill bei Heilbronn einen Polarwolf zu Tode biss.

Polarwölfe haben einen noch schlechteren Ruf als Bären und Russen. Das nun ist äußerst ungerecht. Der Polarwolf in Heilbronn tat nur das, was seinesgleichen tut: Er wollte das Stück Fleisch fressen, das ihm der Tierpfleger zugeworfen hatte. Niemand schöpfte Verdacht, als Balu herantappte, auch die Kinder unter den rund 500 Zuschauern nicht. Immerhin haben viele von ihnen gewiss einen Bären im Bettchen liegen, den sie Nacht für Nacht liebkosen. Bären fressen alles, aber Fleisch steht nicht ganz oben auf ihrer Liste. Doch Balu schnappte sich das Fleisch des Wolfes, der setzte sich zur Wehr und bezahlte es mit dem Leben. Ein Biss in den Kopf, und aus war’s.

Bitte, muss man noch mehr über Bären sagen? Ja, man muss. Balu stammte aus dem Schweizer Jura, was ein Beweis für seine perfide Tarnfähigkeit ist. Denn die Schweizer haben den Ruf, von allen Völkern das friedlichste zu sein. Auch das stimmt natürlich nicht, denn in Wahrheit waren die Schweizer jahrhundertelang mordbrennende Söldner im Dienste raffgieriger Päpste. Aber hier machen wir einen Punkt, denn es reicht, wenn wir den Zusammenhang zwischen Russen und Bären ein für alle Mal klären. Der Bär ist böse, der Russe nicht. Und was zu den Schweizern zu sagen ist, das holen wir bei nächster Gelegenheit nach.