Haben Sie, Michael Mack, überhaupt mal daran gedacht, etwas unabhängig von der Familie zu machen? "Nein, so eine Frage ist in unserer Familie undenkbar."

Tags darauf kommt der Chef auf seinem Golfwägelchen herangeflitzt, im blauen Anzug und mit offenem Hemd, unter dem seine Lederhaut hervorlugt. Eben ist der Mann, der etwas Amerikanisches an sich hat, aus Singapur zurückgekehrt. Eine Pause? Gibt es nicht für einen Roland Mack. Der 63-Jährige bestellt im Schlossrestaurant Kaffee, um gleich darauf das Gespräch schon wieder zu unterbrechen. Er zeigt auf den Stuhl neben einem: "Der ist kaputt. Sofort ersetzen." In der Tat ist eine Verstrebung an der Sitzgelegenheit gebrochen. Sohn Michael und Pressesprecher Dominik Seitz schauen sich erschrocken an. Roland Mack blinzelt die beiden an und sagt, gar nicht leise: "Herr Seitz könnte hier drei Monate sitzen und würde das nicht sehen." Der Pressesprecher rettet sich in einen Schluck Mineralwasser.

Herr Mack, man hört, Sie würden Ihre Söhne und auch Ihre Angestellten nicht gerade oft loben. Die Antwort ist wiederum ein Hauptsatz: "Ich lobe doch unentwegt." Da meint der Sohn, jetzt brauche er einen Schluck Wasser – und macht sich davon. Der Vater verzieht keine Miene.

Nein, das Geschäft mit dem Vergnügen ist kein Vergnügen. "Wir dürfen keinen Trend verpassen, müssen immer wachsam bleiben", sagt der Maschineningenieur Roland Mack, der im Park schon als Jugendlicher Würstchen verkauft und Schrauben in die Bahnen gedreht hat. Auch er musste sich gegenüber seinem Vater immerzu beweisen. Auch er musste sich anstrengen, Lob aus den Worten des Vaters herauszuhören. Und manchmal waren die Starrköpfigkeit und die Skepsis des Vaters gegenüber dem Neuen, den Risiken stärker als jedes Argument des Sohnes. Als ihn Roland überredet hatte, ein erstes Hotel zu bauen, um die Verweildauer der Parkgäste zu verlängern, schlich sich der Vater während einer Abwesenheit des Sohnes früh morgens ins Baubüro, um das vierte, das oberste Stockwerk mit einer Rasierklinge wegzuschneiden. Das Hotel El Andaluz wurde nur mit drei Stockwerken gebaut.

Auch an andere Hindernisse erinnert sich Roland Mack. 1985 baute man die Schweizer Bobbahn fertig, die erste Achterbahn des Parks. Der Testwagen blieb allerdings stecken. Der Statiker war verwirrt, sagte aber, er würde das hinkriegen, morgen. Als man dann am nächsten Tag erschien, war die halbe Bahn schon abgerissen. Der Vater hatte über Nacht 50 Arbeiter aufgeboten, die Schande auszuradieren. "Das darf niemand sehen!", zischte er seinen Sohn an, als ihn dieser nach seinen Beweggründen fragte. Nachzutragen bleibt, dass Michael Mack von ähnlichen Sabotageakten seines Vaters berichtet.

Es wäre aber falsch, Roland Mack als einen Tyrannen zu porträtieren. Ein Gespräch mit ihm ist nie einseitig. Immer will er wissen, was man denkt, was man gesehen hat, was man am Park verbessern könnte. Er hat diese Eigenschaft, die nur wenige Menschen kennzeichnet: das aktive Zuhören. Er hat sich, trotz aller Euphorie, ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber seinem eigenen Tun bewahrt. Das ist keiner, der sich in seinem Erfolg sonnt. "Ich will nicht der Größte sein", sagt er.

Der Unternehmer Roland Mack ist von einer gnadenlosen Neugierde geprägt, einer Neugierde, die auch Selbstzweifel offenbart: "Ich hatte große Angst, als das Internet aufkam. Ich dachte, die Menschen würden nun nur noch zu Hause vor dem Computer sitzen und nicht mehr zu uns kommen. Gott sei Dank, wurde das Smartphone erfunden. Jetzt können sie den Computer zu uns mitnehmen."

Man könnte es Besessenheit nennen, was der Vater seinen Söhnen und seinen 3.500 Angestellten vorlebt. Aber anders geht es wohl nicht, wenn ein solches Riesenunternehmen in Familienhand bleiben soll. Die allermeisten Vergnügungsparks sind heute im Besitz von Konsortien, werden nach knallharten kurzfristigen Renditevorgaben gemanagt – und haben deshalb auch nicht selten Schwierigkeiten. Die Disneyparks vor Paris etwa haben anfangs den Franzosen verboten, ein Picknick mitzunehmen. Das hat man ihnen übel genommen. So ein Fehler könnte der Familie Mack nicht passieren, weil sie sehr nahe am Publikum dran ist. Alle Familienmitglieder wohnen gleich am Park – und leben im Park. So hören und sehen sie alles. "Bauch und gucken", nennt Roland Mack seine Erfolgsformel.

"Wir verkaufen Gleichheit. Reiche sind nicht unsere Zielgruppe"

Und noch einen Vorteil, nachhaltig zu gedeihen, hat die Familie Mack. "Wir brauchen nicht noch mehr Geld", sagt Roland Mack. Und dieses Wissen, nicht ums Verrecken wachsen zu müssen, äußert sich in Kleinigkeiten, die aber den Unterschied ausmachen. Würde nämlich nur die kurzfristige Rendite zählen, gäbe es im Europa-Park nicht so viele Grünflächen. Die hätte man zubetoniert. Hier aber sind allein 15 Gärtner angestellt. Würde nur die kurzfristige Rendite zählen, hätte man nicht so viele kleine Restaurants. Das ist nicht rentabel, bietet aber den Besuchern reizvolle Rückzugsflächen. Würde nur die kurzfristige Rendite zählen, hätte man bei den Achterbahnen, bei denen man in der Hochsaison bis zu zwei Stunden anstehen muss, schon lange VIP-Eingänge hingestellt, deren Benutzung man sich von den Besuchern teuer bezahlen lässt.

"Wir verkaufen Gleichheit. Die Reichen sind nicht unser Zielpublikum", sagt ein Mensch, dessen Aufgabe es ist, mit Fragen wie diesen im Kopf den ganzen lieben langen Tag durch den Park zu hetzen: "Brennen alle Lämpchen, tanzen alle Puppen, blühen alle Blumen?" Der 35-jährige Miro Gronau, immer ein Lachen im Gesicht, ist der Parkleiter, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Er ist, neben der Familie Mack, der wohl wichtigste Mitwirkende hier. Ohne ihn würde das Ding nicht laufen, aber er auch nicht ohne das Ding: "Ich staune immer noch, wie sehr mich die Freude der Besucher auflädt. Ja, ich hol mir sehr viel von den Menschen."

Es ist 8.45 Uhr morgens, ein Moment, den Miro Gronau auch nach drei Jahren als Parkleiter selten verpasst. 2000 Menschen kleben schon am Eingangstor, das in einer Viertelstunde zur Seite geschoben wird. Sie skandieren: "Aufmachen, aufmachen, aufmachen!" Gronau lächelt. So muss es sein.

Er hat sie alle gesehen, diese Stätten der konzertierten Herstellung von Vergnügen, auch diejenigen in den USA. Und da war er enttäuscht: "Diese Parks haben keine Tiefe, keinen Charakter. Da wirkt alles so falsch." Und der Europa-Park soll echt sein? "Ja, das sagen jedenfalls viele Besucher. Ich antworte dann immer, er könnte falscher nicht sein. Aber die Gefühle, die wir herstellen, sind echt, wissen Sie..." Der Rest seines Satzes wird vom Gejubel der hereinbrechenden Horde verschluckt. Im gestreckten Galopp rasen sie zu den Achterbahnen, nicht wissend, was der Parkleiter weiß: Sie werden rund 20 Minuten anstehen müssen, weil die Hotelgäste schon da sind. Die dürfen nämlich eine halbe Stunde früher in den Europa-Park.