Sie gehören zu den bedauernswerten Anlegern, die dachten, Gold sei ein sicherer Hafen? Sie haben investiert, als der Preis des edlen Metalls auf dem Weg nach oben war? Sie freuten sich über den Höchststand von rund 1.900 Dollar, um seither mehr oder minder fassungslos dem Rutsch nach unten zuzuschauen? Sie hätten Jack Sparrow zuhören sollen: "Nicht jeder Schatz", wusste der berühmte Pirat aus der Karibik, "besteht aus Silber und Gold." Sparrow dachte, während er das sprach, wahrscheinlich an die Liebe oder das Leben an sich. Jedenfalls hatte er recht.

Allein in den drei Monaten zwischen Anfang April und Ende Juni verlor Gold ein rundes Viertel seines Werts. Einen solchen Absturz, schreibt der Finanzdienst Bloomberg, habe es seit knapp 100 Jahren nicht mehr gegeben. Natürlich wissen die Analysten auch, woran das liegt: weil ein Ende der Geldschwemme durch die Zentralbanken droht, damit auch die Inflationsangst abnimmt, weil in Asien die Goldnachfrage zurückgeht, weil sich die Großinvestoren nicht mehr für das Edelmetall interessieren, kurzum: weil nun plötzlich niemand mehr Gold besitzen will. Die Blase ist also geplatzt. Dass es eine gab, hätte eigentlich jedem klar sein müssen, seit in TV-Verkaufsshows neben Küchenpfannen und Schlager-CDs kleine Goldbarren angepriesen wurden. Oder der Taxifahrer von seinem jüngsten Einkauf beim Goldhändler Pro Aurum berichtete.

Und nun? Könnte ja der Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg gekommen sein. Gold ist immerhin so billig wie seit 2010 nicht mehr. Andererseits kostete Gold vor nicht einmal 15 Jahren nur wenig mehr als 250 Dollar, da ist also noch Luft nach unten. Besser auf Jack Sparrow hören. Oder auf die Weisen aus dem Fernen Osten: "Ein Tag Leben", sagten die irgendwann einmal in grauer Vorzeit, "ist wertvoller als ein Berg Gold."