Vielleicht beginnt es bei einem Lagerfeuer unter dem unendlichen Sternenhimmel einer ägyptischen Wüste im Jahr 1798. General Napoleon Bonaparte und seine Wissenschaftler unterhalten sich über den alles zermalmenden Zahn der Zeit. Ganze Dynastien spurlos ausgelöscht, Tempel zu Sand verweht, Götter vergessen... Einer der Archäologen hält Münzen in der Hand, die er bei einer Ausgrabung gefunden hat und zeigt sie den anderen Expeditionsteilnehmern. Während ganze Architekturen längst verschwunden sind, kann man auf einer kleinen Münze immer noch Caesar erkennen – mit Namen und Porträt. "Münzen sind die einzigen Zeugen des Ruhms", sinniert Vivant Denon, die "alle Jahrhunderte überdauern." Die Männer starren ins lodernde Feuer und seufzen. So oder ähnlich kann es gewesen sein. (Das Zitat von Denon ist tatsächlich überliefert.) Wenige Jahre später war Ägypten zwar nicht französisch, aber ganz Europa liebte den ägyptischen Stil. Napoleon war Kaiser der Franzosen und Denon (unter anderem) Direktor der Medaillenprägestätte. Auf ihn geht wohl auch die Idee für diesen Medaillenschrank zurück, den die besten Pariser Designer und Kunsthandwerker der Zeit anfertigten, Percier, Jacob-Desmalter und Biennais. Ein Knopfdruck auf das Auge einer silbernen Cobra gibt das Schlüsselloch frei, die Tür schwingt auf. Wer die Flügel silberner Insekten aufklappt, kann sie als Griffe benutzen und 41 schmale Schubladen herausziehen. Ein Wunderwerk der Möbelkunst – gebaut, um die Medaillen zu bewahren, die Napoleon prägen ließ, um seine eigenen Erfolge für alle Ewigkeit festzuhalten. Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein Engländer kam in den Besitz des Schranks, kurz nachdem Napoleon im Exil auf St. Helena gestorben war. Diese Woche wird das feine Möbelstück bei Sotheby’s in London versteigert, geschätzt auf 300.000 bis 500.000 Pfund.