Meist läuft es in diese Richtung: Geschäftsmodelle wandern von der analogen in die digitale Welt. Und bleiben dort. Filme leiht man nicht mehr in der Videothek, sondern im Internet. Der iPad-Besitzer liest die Zeitung nicht mehr auf Papier. Mit der Online-Überweisung spart man sich den Besuch in der Bankfiliale. Vielerorts ersetzt das Internet den Botengang. Bei einer Sache allerdings läuft es genau umgekehrt, da beschert das Netz dem Boten Arbeit ohne Ende: beim Ausliefern von Paketen.

Davon profitiert vor allem die Deutsche Post, das größte Paketunternehmen Europas, gefolgt von den Konkurrenten UPS, DPD und Hermes. Allein die Post beförderte unter der Marke DHL im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Pakete in Deutschland und setzte damit knapp 3,5 Milliarden Euro um. Das sind knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr und fast 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Immer mehr Menschen bestellen immer mehr Waren im Internet, die immer schneller geliefert werden müssen: Bücher, Kleidung, Fernseher, Möbel – manche ordern sogar Lebensmittel im Netz.

Der Einzelhandel vertreibt hierzulande schon heute fast zehn Prozent seiner Produkte über den Versandweg. In den kommenden zehn Jahren sollen es bis zu 20 Prozent werden. Die vielen Kunden, die bei Online-Shops wie Zalando Schuhe auf Verdacht gleich in mehreren Farben und Größen bestellen, um sie dann nach Anprobe versandkostenfrei wieder zurückzuschicken, beleben das Paketgeschäft zusätzlich.

Deshalb investiert die Post nun kräftig in ihr Paketnetz. 20.000 neue Paketshops sollen bis Ende 2014 eröffnet werden – in Kiosken und Kaufläden. Dort können Kunden frankierte Pakete, Päckchen und Retouren abgeben. Damit verfügt die Post künftig bundesweit über mehr als 50.000 Annahmestellen für Pakete. Ein Päckchen aufzugeben wird also künftig oft einfacher und bequemer werden.

Doch das allein reicht nicht. Der Erfolg des Online-Handels entscheidet sich zunehmend auch auf der letzten Meile, also auf den letzten Metern zum Empfänger. Gerade Berufstätige und Vielreisende sind selten anzutreffen, wenn der Bote klingelt. Mit den 2.500 Packstationen im Bundesgebiet, bei denen Kunden ihre Pakete und Päckchen rund um die Uhr abgeben und abholen können, versucht die Post, die Auslieferung flexibler zu machen. Darüber hinaus experimentiert das Unternehmen mit Paketkästen, die wie kleine Packstationen funktionieren und für Ein- und Zweifamilienhäuser im ländlichen Raum gedacht sind.