ZEITmagazin: Herr Fo, als Sie 1997 den Nobelpreis bekamen, sagten Sie in Ihrer Rede, Sie seien nicht zum Theater gegangen, um Hamlet zu spielen, sondern um Clown zu sein. Was ist die schwierigere Rolle: Hamlet oder ein Clown?

Dario Fo: Und wenn ich sage, dass auch Hamlet letzten Endes nur ein Clown ist? In beiden Fällen gibt es eine Anklage und den Willen, durch das Lachen und durch die Ironie zu entdecken, was die Wahrheit ist. Das ist ein ziemlich heftiger und gewaltsamer Pranger, weil die Wahrheit sogar die Mächtigen umbringt. Wir Clowns sind umso lästiger, weil unser Widerstand lachend geschieht.

ZEITmagazin: Sie sind wegen Ihrer politischen Satiren mehrfach verhaftet worden und haben sich viele Feinde gemacht. Gab es Momente, in denen Sie aufgeben wollten?

Fo: Nein, das wäre doch gewesen, was die wollten. Es war eine Frage der Würde. Jedes Mal, wenn etwas passierte, war das für mich die Aufforderung, noch weiter zu gehen. Etwas zu machen, das noch gewaltsamer, noch schlimmer sein sollte. Immer mit einem Lachen im Gesicht.

ZEITmagazin: Ihr Vater war während des Kriegs im antifaschistischen Widerstand. 1940, da waren Sie 14 Jahre alt, halfen Sie ihm, Flüchtlinge und Deserteure in die Schweiz zu schmuggeln. Haben Sie Ihren politischen Mut von ihm?

Fo: Es gab viele Einflüsse: Mein Vater hatte im Ersten Weltkrieg Schussverletzungen am ganzen Körper erlitten. Und ich habe im Zweiten Weltkrieg das Mailand der Bombardements erlebt. Die Kunstakademie in Mailand, an der ich studierte, ist zur Hälfte zerbombt worden, und ich bin nur davongekommen, weil ich im Keller war.