Gelegentlich wackeln in den Häusern der ungarischen Stadt Szeged alle Tassen im Schrank. Dann ist im Gummiwerk am Ortsrand der drittgrößten Stadt des Landes mal wieder ein Schlauch geplatzt.

Nicht Fahrlässigkeit ist der Grund, auch kein Materialfehler. Berstversuche gehören zum Produktionsalltag in dem ehemaligen Staatsbetrieb. In einer speziellen Prüfkammer erleben neue Spezialschläuche, was ihnen hoffentlich ihr ganzes Schlauchleben lang erspart bleibt – Drücke von bis zu einigen Tausend Bar. Wasser, mit solchem Druck gespritzt, kann Stein- und Metallplatten schneiden. Im Gummiwerk macht der platzende Schlauch ein großes Getöse und springt locker zwei Meter hoch in die Luft. Dann traut sich der Prüfingenieur wieder in die triefnasse Kammer und beäugt den Schaden.

Ist es von Belang, wenn in Szeged ein Schlauch platzt? Oder, genereller: Sind Schläuche wichtig? Der Gartenfreund, der zwischen seinen Beeten steht und das Grün wässert, würde "Tja" sagen und schief grinsen. Das labberige Stück Weichplastik in seiner Hand, der geplatzte Fahrradschlauch, eventuell die medizinischen Schläuche, an denen er am Ende lieber nicht hängen möchte – viel mehr fiele ihm nicht dazu ein. Tatsächlich aber ist der Schlauch das am meisten unterschätzte Bauelement der Förder- und Transporttechnik. Ein heimlicher Held.

Nichts ist wichtiger beim Schlauch als seine Zuverlässigkeit. Darin unterscheidet er sich nicht von seinem populäreren Konkurrenten, dem Rohr. Wie dieses transportiert er Flüssigkeiten, Gase, staubiges Material und Schüttgut. Dafür muss er dicht sein. Doch darüber hinaus kann er noch viel mehr als das Rohr. Weil er flexibel ist, windet er sich durch enge und verbaute Räume, lässt sich biegen und aufrollen, und er kann mit den Gelenken der Maschinen leben.

Eine Kulturgeschichte des Schlauches käme vermutlich zu dem Ergebnis, dass der Schlauch das moderne Rohr ist. Denn er ist, anders als sein steifer Konkurrent, ein Freund der Mobilität. Er verträgt Bewegung. Eine feste Leitung oder einen Tank kann er mit einem vibrierenden, schlingernden, gelegentlich ruckelnden oder schaukelnden Aggregat verbinden. Darum finden wir zwischen fixer Karosse und zitterndem Motor Schläuche; ebenfalls am Knickarm des Baggers oder zwischen zwei sich in der Brandung wiegenden Öltransportern.

Angesichts seiner ökonomischen und, wie man sehen wird, ökologischen Bedeutung ist es erstaunlich, dass das Schlauch-Image so schlecht ist. Wer nicht mehr durchblickt, steht auf dem Schlauch. Geschlaucht fühlt sich, wer fix und fertig ist. Und schon die Bibel (Matthäus 9,17) sprach von alten Schläuchen, die reißen, wenn man neuen Wein hineinfüllt. An ihre Existenz erinnern uns Schläuche erst im ruinierten Zustand. Haben sich in Einfüllschläuchen Bakterien festgesetzt, die in Kliniken zum "Frühchensterben" führten? Hat ein geplatzter Ölförderschlauch zu einer Umweltkatastrophe geführt? Das Auto muss in die Werkstatt, weil der Kühlwasserschlauch undicht ist. Der Nachbar tobt, weil ihm nach Riss des Waschmaschinenschlauches Wellen um die Füße plätschern. Und der Gartenfreund schimpft pudelnass, weil der Gartenschlauch vom Anschlussstück gerutscht ist.

Solche Pannen sind für Tamás Katona undenkbar. Katona ist der Geschäftsführer der Szegeder Gummifabrik, die offiziell ContiTech Rubber Industrial Kft. heißt und zum Continental-Konzern gehört. Er leitet auch den Conti-Geschäftsbereich Oil & Marine. Katona behauptet, er schlafe nachts gut. Das kann man schwer glauben. Denn er verantwortet unter anderem die Herstellung solcher Schläuche, die unter den rauen Bedingungen einer Ölplattform mitten im Ozean Wind, Sonne und Seegang trotzen und die schlechteste Behandlung wegstecken müssen. Und das alles unter hohem Druck. Niemals dürfen Katonas Schläuche versagen. Es geht um Öl, also um potenzielle Ölkatastrophen.