Mit 15 wollte sie Frisörin werden. Doch dann besuchte das Mädchen aus der Vorstadt ein Casting, und alles wurde anders. "Ich kam völlig übertrieben geschminkt, mit enorm hohen Absätzen... und wusste nicht einmal, wer der Regisseur überhaupt war", erinnerte sie sich. Und eigentlich war es nicht mal sie, die vorsprechen wollte, sondern ein ihrer Schwestern. Doch irgendwer erkannte ihr Talent, schon im Folgejahr kürte man sie zur Nachwuchsbesten – und nur drei Jahre später spielte sie ein einsames Solo, mit dem sie endgültig zum Kinostar avancierte.

Bald dreißig Jahre ist das her. Und noch immer arbeitet sie mit den besten Regisseuren ihres Landes, meistert komische wie tragische Rollen, Sozialstudien so gut wie jede Lovestory. Erstaunlich, da sie nie Schauspielstunden nahm. Und gleichsam erstaunlich ist, dass sie sich äußerlich kaum verändert hat. Mädchenhaft ist sie geblieben und hat ihrem offenen Lachen zum Trotz genau das, was Schauspieler brauchen, um auf Dauer zu faszinieren: ein Geheimnis.

Nie weiß man wirklich, was sie denkt oder fühlt, stets hält sie etwas von sich im Ungewissen. "Es ist sehr einfach, etwas zu reproduzieren, von dem man weiß, dass es funktioniert. Ich dagegen versuche das Gegenteil und versuche, darüber auch meine Instinkte zu schärfen. Das ist die einzige Art, immer wieder überraschend zu sein. Für andere und für mich selbst", hat sie mal erzählt. Sie weiß, dass sie Glück hatte: "Mein Erfolg hat in meiner Familie Stolz ausgelöst, ihnen auch größeren sozialen Komfort beschert, denn ich konnte sie unterstützen. Auf der anderen Seite sind aber auch Probleme aufgetaucht, es gab Eifersucht, da ich es als einziges meiner zehn Geschwister geschafft habe, das Milieu zu verlassen."

Vermutlich hilft ihr die Großfamilie aber auch, ein Stück Distanz zum oft trügerischen Glamour von Venedig oder Cannes zu wahren – und vielleicht bedingt gerade dies ihre so natürliche Art. Inzwischen nähert sich die zweifache Mutter dem Metier auch von anderer Seite, drehte einen Film über ihre jüngere autistische Schwester, Regieprojekt Nummer zwei ist schon in Arbeit. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 27:

Anne (Ninon) de Lenclos (1620 bis 1705) wurde als Mittelpunkt von Epikureern zum Inbegriff der Kurtisane, ihre Philosophie der Liebe wurde erst viel später gewürdigt. Christina von Schweden verwendete sich bei Anna von Österreich für sie. Ninons Legat ging an den jungen Voltaire