Sie schienen gerade noch so old fashioned . Starke Typen! Meistens waren das miese Kerle. Schon mal aufgefallen, dass es den Helden häufiger in der Kategorie des Schurken als des Gutmenschen gibt? Mal ehrlich: An wie viele Gandhis erinnern wir uns? Thomas Morus, sehr gut, setzen. Das war 16. Jahrhundert. Martin Luther King? Soll Frauengeschichten gehabt haben, sagt Jackie Kennedy. Der Dalai Lama, okay. Mutter Teresa, um auch mal was über Frauen zu sagen? Wir sagen lieber nichts. Wie gesagt, es muss schwierig sein, so gut zu sein, dass es bis zum Tod und darüber hinaus reicht. Vielleicht ist es so: Bei miesen Typen kann man nur positiv überrascht werden.

Die Helden meiner Kindheit waren jedenfalls mau. Saßen vor Goldrandgeschirr und mümmelten Ananastorte, sofern sie es schafften, mit einer Holzhand, die im schwarzen Lederhandschuh steckte, die Gabel zum Mund zu führen. Leere Ärmel, hochgeschlagene Hosenbeine, unter der Schädeldecke pochte etwas Weiches, wo ein Stück Knochen fehlte, also da war, selbst unter Bedingungen einer Dorfkindheit, sehr wenig Glamour. Noch weniger Worte über das, was sie so getan hatten, wollte eh keiner wissen. Helden kamen aus dem Kinofach. Der Ritter bei Monty Python! Auf dem letzten Bein rumhüpfend, "Hau doch drauf, wenn Du Dich traust!"

Mein Lieblingsheld war übrigens Tony Curtis, wie er die süße Christine Kaufmann aus den Flammen eines Scheiterhaufens reißt, da wusste man noch nicht, was für eine miese Ehe das werden würde. Helden im Film halten sich nicht. Kommen ab vom Weg (James Dean), werden fett (Marlon Brando), sind schwul (Cary Grant, Montgomery Clift) oder heiraten Angelina (Brad Pitt). Clint Eastwood? Verledert.

Von den großen Bösen hatten sich gerade nicht wenige ins Off manövriert. Gaddafi weg, Saddam gehängt, auch Mubarak verschwunden, Berlusconi heult. Auf Bildern, die unten auf Zeitungsseiten stehen – Augen hinter Sonnenbrille, einmal kein Haifischlächeln, nach unten hin, in Berlusconis Gefahrenzone hinein, hat Photoshop gnädig abgedimmt, da steht jetzt nur: "7 Jahre einsitzen (für 4,5 Millionen €)?", und daneben, Foto eines Sportcoupés: "1 Tag zweisitzen (für 143,- €)!" Vom Autovermieter verspottet, kann es schlimmer kommen? Als neulich unser Oberster Heeresführer vor den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss musste, sah man eine Karikatur, auf der de Maizière zu Mutti Merkel schielt und flüstert: "Kann ich nicht eine Drohne schicken?" Das zum Thema Tapferkeit. Bei der Bundeswehr!

Der vorläufig letzte Held der westlichen Welt wurde letzte Woche in Camouflage-Höschen von Valentino auf einer Bahre durch eine Pariser Fashion Show getragen. Damit hätte man glücklich sein können, gäbe es jetzt nicht: Edward Snowden.

Junger Typ. Cool. Einer, der sein Leben verwettet für unser Recht auf Privatsphäre, das wir selber vertwittern. Snowden gilt als Spion, weil er uns unser schmutziges Geheimnis verriet. Die Leute bildeten sich ein, da hörten nur globale Großkonzerne mit, und jetzt ist es Obama, auch so ein Exheld.

Woran wird man sich erinnern, wenn es vorbei ist für Snowden, ob er dann noch lebt? Andere große Spione sind unvergessen. Wegen Heldentaten im Bett (Casanova), auf Kamelen (Lawrence von Arabien), im Bikini (Mata Hari). Wird man sagen: Snowden hat die Welt verändert? Uns? Woran wird er sich erinnern? An jeden Tag Soljanka in Moskau? An Wodka, ex und hopp, Glas an die Wand geschmettert, zu lautes Lachen, danach ein bisschen weinen? Männer! Es braucht Helden, ihn da rauszuholen!