Das war der Anfang: Mein Vater parkierte den Wagen vor Höhlen, in denen Menschen lebten. Ich war acht Jahre alt. Es gab dort Kinder in meinem Alter, und sie kamen herbeigerannt und öffneten die Autotür. Sie mochten mein Comicheft, sie wollten es haben. Meine Mutter sagte, ich solle ihnen das Heft schenken, weil es solche Dinge hier nicht gebe. Wir fuhren durch die tunesische Wüste. Draußen war es Nacht, und der Mond war rund und hell, darum herum glitzerte es. In der Luft lag Staub, und der Staub knirschte zwischen meinen Zähnen, und im Hals kitzelte es.

Ein Dutzend Jahre später traf ich dich, auf meiner ersten Reise, auf der ich allein war. Es war bei einem truck stop im kanadischen Prince George. Bärtige Männer hatten ihre Lastwagen vor der Tür geparkt, füllten hohe Plastikbecher mit Kaffee und stützten sich mit den Ellbogen auf der Bar ab. Du und ich, wir saßen nebenan an einem grünen Tisch mit rot gepolsterten Stühlen. Der Boden war schwarz-weiß kariert.

Wir waren beide verwirrt von den Möglichkeiten des Lebens. Du sagtest, man müsse alles versuchen und dürfe nie aufgeben. Du warst soeben von zu Hause weggelaufen, von einem kleinen Haus oben an der Grenze zu Alaska, und zum nächsten Bahnhof getrampt und nach Prince George gefahren. Wir hatten beide den Anschluss nach Vancouver verpasst. Du wolltest nach San Francisco, du sagtest, dort könne eine Frau zum Mann werden. Aber sicher warst du dir nicht.

Zu große Hosen und ein voller Aschenbecher waren deine Interpretation von Männlichkeit. Du hast Benson & Hedges geraucht, und vor dem Anzünden hast du den Filter weggeknickt, ihn durch die Finger gedröselt und auf den Boden geschnippt. Du hast versucht, so breitbeinig dazusitzen wie die Männer in den Flanellhemden an der Bar. Deine Maxime war: "Wenn du zwei Möglichkeiten hast, wähle die falsche."

Das ist jetzt 18 Jahre her. Du warst der zweite Anfang.

Ich hatte soeben einen Entschluss gefasst. Ich erzählte dir von damals, als ich als kleines Kind im Wagen meiner Eltern saß und durch die tunesische Wüste fuhr und wie in diesem Moment etwas passiert war. Ich erzählte dir, dass ich von jetzt an nie mehr nach Hause gehen werde, dass ich reisen werde, bis ich tot umfalle.

Das war natürlich naiv und nicht möglich, aber immerhin hat die Reise 13 Jahre lang gedauert. Als das alles vorbei war, die Busfahrten durch die Anden, die Bootsfahrten auf dem Amazonas, die Zugfahrten durch Sibirien, da war die erste Frage bei Vorstellungsgesprächen stets: "Aber was haben Sie denn die ganze Zeit gemacht?" Meistens habe ich gewartet, wie damals mit dir. Auf Busse. Boote. Züge. Und mit den Menschen gesprochen, die ebenfalls warteten. Die Welt ist voller Menschen, die auf etwas warten.