Ausgerechnet die Partei der Bundesfamilienministerin ist zum Beispiel noch nicht so weit: Kristina Schröders hessischer CDU-Landesverband streut Gerüchte, sie werde nach der Wahl ihren Kabinettsposten aufgeben, ihrer kleinen Tochter wegen. Weil sie für Termine ihres Landesverbandes überhaupt keine Zeit mehr habe. Topjob und Kinder, geht das nicht zusammen? In Hessen sieht es danach aus.

Es brauche jetzt die progressiven, jungen ostdeutschen Frauen, sagt eine, die sich wohl zu denen zählt: Adriana Lettrari, Mitbegründerin der Dritten Generation Ost, dieses Netzwerks junger Menschen, die mit ihren Wende- und Nachwende-Erfahrungen zum großen Diskurs beitragen wollen. Anders als die Generation ihrer Eltern, sagt Lettrari, wage es ihre eigene, selbstbewusst mit Erfahrungen umzugehen, die quer zum gesellschaftspolitischen Konsens lägen. Der Osten macht sich nicht klein: Frauen wollten nicht ihre Leben an die Politik anpassen. Sondern Politik aus ihren Leben machen. Susanne Dähner, Sprecherin der Initiative Frauen machen Neue Länder, sagt: Politikerinnen, die sich hier in Kommunal- und Länderparlamenten engagierten, seien "unaufgeregter. Die kommen gar nicht auf die Idee, dass einen das Kinderkriegen ausbremsen würde. Die ziehen ihr Ding durch und sind häufig ganz irritiert, dass daran etwas Besonderes sein sollte." Sie arbeiten – nicht, weil sie keinen Ernährer finden. Sondern weil sie es eigenartig fänden, nicht zu arbeiten.

Wie ist es denn als Mutter im Parlament? Diana Golze, Linken-Abgeordnete seit 2005, hatte eine einjährige Tochter, als sie anfing als Abgeordnete im Bundestag. Eine Politikerin mit Kinderwagen – das sei für viele Kollegen ein Bild aus einer anderen Welt gewesen. 2008 bekam sie noch einen Sohn. Mutterschutz für Abgeordnete? Keine Chance. Die bundestagseigene Kita steht in erster Linie den Kindern von Mitarbeitern der Parlamentsverwaltung offen – den Kindern von Abgeordneten nur in Ausnahmefällen.

Bis heute hat Diana Golze in Diskussionen mit manchen Kollegen das Gefühl, im falschen Film zu sein. In einem "Drei-Weiber-Haushalt" ist sie aufgewachsen, mit geschiedener Oma und unverheirateter Mutter. Frauen hat sie immer berufstätig erlebt. "Vor allem aber auch als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft", sagt sie. So sollen ihre eigenen Kinder sie selbst ebenfalls erleben.