"Lass uns hinter der Grenze tanken", sagt P. "Da ist es billiger." Gut 650 Kilometer liegen schon hinter uns, vollgepackt bis unters Dach, fünf Freunde auf dem Weg von Berlin ins Zillertal. Nicht einen Zentimeter ist der Wagen in die Knie gegangen. Nur die Tanknadel zeigt, was er leistet, als es in die ersten Voralpensteigungen geht.

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Ich sitze hinten, auf der zweiten Rückbank, das ist mein Krankenlager. Beim Einladen habe ich mir mit einer ungeschickten Drehbewegung irgendwas im unteren Rücken verrenkt. Die erste Rückbank bietet Platz für drei Personen, aber dabei sollte es sich um Kleinkinder handeln. So muss ich in die dritte Reihe. Obwohl die Außenmaße des GL denen eines Reisebusses nahekommen, ist der Innenraum erstaunlich eng. C. erweist sich schließlich als ritterlich, er räumt den Beifahrersitz mit Lumbalstütze und rollt sich hinten auf die Katzenbank. Die Sitzheizung fühlt sich an wie eine Fangopackung. Welch eine Wohltat.

An der ersten Zapfsäule in Österreich ist die Kur vorbei. 1,53 Euro für Diesel! 15 Cent mehr als in Deutschland! P. ist fassungslos. Es beginnt ein lebhaftes Treibstoffgespräch. Durch den Nebel allmählich nachlassender Schmerzen vernehme ich, dass Diesel nur billiger ist, weil er durch Steuervorteile künstlich subventioniert wird. Mittlerweile fahren so viele Pkw mit Ölbrennern, dass er manchmal allein durch die Nachfrage teurer wird. Besonders natürlich an österreichischen Autobahntankstellen. Die Deutschen und der Diesel, das sei eine innige Liebesbeziehung, sagt C., um ein paar Cent zu sparen, nähmen sie die hohen Kosten in Kauf, die aus der immer aufwendigeren Technik resultierten. Bei sogenannten Bluetec-Motoren wird sogar Harnsäurelösung in die Abgase gespritzt, um die Stickoxide zu reduzieren. In China und den USA sind Diesel-Pkw nahezu unbekannt. Einige Autohersteller rüsten dort sogar ihre Tankstutzen um, damit die Leute die Sorten nicht verwechseln.

So wie unlängst bei Obamas Dienst-Cadillac. Den hatte einer seiner Supersicherheitsleute mit einer Füllung Diesel lahmgelegt. In den USA gilt der GL als beliebtestes Luxus-SUV. Nicht nur wegen seiner Sicherheitssysteme, sondern auch, weil er über die Straße gleitet wie ein luftgefedertes Rehazentrum. Jetzt aber, in Fügen, Zillertal, brauchen wir kein Auto und kein Internet. Wir gehen wandern. Meinem Rücken geht es sofort besser.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 190 kW (258 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
CO-Emission: 209 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,0 l
Basispreis: 73.125 Euro

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin beim ZEITmagazin