Am vergangenen Montag gab es einen sensationellen Kurssprung an der Börse – die Aktie eines bekannten Unternehmens stieg binnen weniger Stunden um rund 50 Prozent. Eine fantastische Entwicklung. Und doch kein gutes Zeichen. Denn dabei handelte es sich um die Aktie von Praktiker, also jener Baumarktkette, die erst kurz zuvor Insolvenz angemeldet hatte.

Für das Unternehmen, das mit seinem populären Werbespruch "20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung" landesweit Aufmerksamkeit bekam, sieht es wahrlich schlecht aus. Die Konkurrenz durch Obi, Bauhaus, Hagebaumarkt, Toom & Co. ist groß, Bretter, Schrauben und Duschwannen blieben trotz zahlreicher offensiver Rabattaktionen in den Regalen liegen. Der Insolvenzverwalter will zwar um die Baumarktkette kämpfen, und vielleicht gibt es für manche Filialen tatsächlich eine Zukunft. Insgesamt sollte man aus den Kurssprüngen der Praktiker-Aktie aber nicht ableiten, dass die Aussicht besser sei als die Lage. Nicht vergessen: Der Laden ist insolvent. Viele Analysten empfehlen, die Aktien zu verkaufen.

Die Anteile von Praktiker kosten inzwischen um die 22 Cent, so etwas bezeichnet man gemeinhin als penny stocks. Gerade Unternehmen an der Schwelle zwischen Sein und Nichtsein werden gerne von Zockern ins Visier genommen, weil der Markt besonders sensibel ist und schon bloße Gerüchte den Aktienkurs vergleichsweise stark beeinflussen können. Mit anderen Worten: Wer auf sein Geld achtet, sollte nicht in Praktiker investieren. Wer spielen will, kann es tun. Mehr als verlieren kann man nicht.

Was aus heutiger Sicht ein Plus von 50 Prozent darstellt, sieht verglichen mit dem Höchststand im Frühjahr 2007 schon weitaus schlechter aus – da steht immer noch ein Minus von 99 Prozent. Praktiker-Investoren sollten immer an die Werbung denken: 20 Prozent Abschlag sind immer und überall drin. Außer bei Tiernahrung.