Endlich ist Sommer! Selbst im Norden Deutschlands scheint nun die Sonne, die Trübnis der Welt ist verflogen, ein Frohlocken liegt über der Natur, Hamburg leuchtet, und das schöne Bremen leuchtet gleich mit. Überhaupt ist Bremen eine zauberhafte Stadt, weithin unterschätzt in ihrer Noblesse und Menschenfreundlichkeit, natürlich von einem Sozialdemokraten regiert, ein Hort der Freiheit und des Friedens, wie so viele Städte, die nah am Meer gebaut sind und in denen die Menschen sich die Ehrfurcht vor Gottes natürlichen Gewalten erhalten haben. Leider gießen die Kollegen aus Funk und Fernsehen in diesen Tagen kübelweise Kritik über dem herrlichen Bremen aus, und selbst Druckerzeugnisse wie Bild attackieren die vornehme Stadt auf übelste Weise. Bevor die Empörung überhandnimmt und die Bremer Menschen die Lust am Sommer verlieren, möchten wir an dieser Stelle der Wahrheit die Ehre geben und ein gutes Wort für die traditionsreiche Hansestadt einlegen.

Was war passiert? Ein viel geschmähtes Video im Internet zeigt sieben Bremer Polizisten bei ihrer Arbeit. Auf dem Mitschnitt ist zu sehen, wie die Beamten in der weltberühmten Diskothek Gleis 9 aufopferungsvoll einen Bremer Bürger zur Ordnung rufen, den 28-jährigen Familienvater Daniel A. Bedauerlicherweise soll das männliche Zielobjekt bei seiner Disziplinierung kackfrech Widerworte gegeben haben, weshalb es von den Einsatzkräften ordnungsgemäß zu Boden gebracht wurde. Zu diesem Zweck drückte ein unbescholtener Polizist dem Delinquenten zielgenau die Kehle zu, während seine lieben Kollegen ihn mit einem zweiminütigen Schlagstockeinsatz im Ganzkörperbereich zur Räson brachten. Auch Fußtritte kamen erfolgreich zum Einsatz. Gelernt ist gelernt! Der finale Treffer gelang allerdings erst dem tapferen Polizisten Nummer sieben. Er trat mit voller Wucht auf den am Boden liegenden Angeklagten ein und sorgte damit für die sofortige Wiedereinhaltung der Nachtruhe, die sich die hart arbeitenden Bremer Bürger schließlich redlich verdient haben. "Die Polizei, dein Freund und Helfer." Der Ruhestörer Daniel A. musste anschließend sechs Stunden lang in der Notaufnahme behandelt werden.

Wie gut ist es doch, dass Vater Staat unser Land lückenlos mit Videokameras überwacht, denn sonst wüssten wir gar nicht, wie schwer es deutsche Polizisten im Alltag haben. Nur im märchenhaften München fehlte einmal die Videoüberwachung. Hier zertrümmerte ein Polizist einer gefesselten Verdächtigen das Nasenbein und verhalf ihrer Oberlippe zu einem ganz neuen Aussehen. Gott vergelt’s!

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