Guter Hoffnung. So hieß es früher, wenn eine Frau ein Kind erwartete. In der Redewendung steckt ein Grundoptimismus, der heute zunehmend abhandenkommt. Eine Schwangerschaft gleicht in vielem einem medizinischen Experiment unter hochtechnologischer Kontrolle.

Angesichts neuer fortpflanzungsmedizinischer Angebote wie Eizell-Einlagerung, Embryonenselektion und Gendiagnostik fragen Ethiker: Verändert das die Mutterschaft? Wirkt es sich auf die Gefühle für das Kind aus? – Plausibel scheint das schon. Bereits die Medizintechniken von gestern, so zeigen aktuelle Studien, beeinflussen das Erleben von Mutterschaft.

Es beginnt beim Ultraschall. "Die meisten Frauen kommen, um zu erfahren, ob alles in Ordnung ist. Sie zweifeln, brauchen die künstlichen Blicke in den Körper, um wenigstens vorübergehend wieder beruhigt zu sein", sagt die Gynäkologin und Psychologin Ingrid Kowalcek, die früher an der Lübecker Universitäts-Frauenklinik gearbeitet hat und sich seit mehreren Jahren mit dieser Frage befasst. Die modernen bildgebenden Verfahren machen das Ungeborene noch vor seiner biologischen Abnabelung von der Mutter zu einer selbstständigen, autonomen Person – im Krankheitsfall sogar schon zum Patienten. "Pränatale Diagnostik kann emotionalen Stress auslösen", warnt Kowalcek.

Schon die Untersuchungssituation sei paradox, sagt die Psychologin. Ein "Alles ist in Ordnung" sei beruhigend für die Frau, aber irritierend für den Mediziner. Ihn plage dann die Frage, ob er nichts übersehen habe. "Das ist sicherlich ein Grund dafür, warum es auch immer wieder zu falsch positiven Diagnosen, also zu Warnungen vor Krankheiten kommt, die der Fetus nicht hat, wodurch weitere Untersuchungen nötig werden."

Frauen, die sich gesund fühlen, empfänden die Kontrollen während der Schwangerschaft zum Teil als verunsichernd. Vielleicht, so vermutet Kowalcek, sei der gesellschaftliche Druck inzwischen so hoch, "dass man alles tun muss, um ein gesundes Kind zu bekommen, sodass auch diese Frauen die Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen". Ihre Studien zeigten aber auch, dass Bilder aus dem Mutterleib die Bindung der Mütter und der werdenden Väter zum Kind festigen könnten: Was man sieht, darauf kann man sich leichter einlassen.

"Früher musste man warten, bis das Kind geboren war, um es zu sehen", sagt die Medizinerin und Psychotherapeutin Tamara Fischmann vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main. Sie hat in einer vierjährigen EU-Studie Frauen zu ihren Erlebnissen mit pränataler Diagnostik befragt. "Moderne Technologie entzaubert die Schwangerschaft ein Stück. Solange ich das Kind nicht sehe, lebt das Kind nur vor meinem inneren Auge. Doch wenn ich mithilfe des Ultraschalls in mein Inneres sehen kann, dann nehme ich das Kind nicht mehr als eine Einheit mit mir wahr, sondern von außen", sagt sie. "Die Beziehung wird so zwangsläufig eine andere." Ob positiv oder negativ? Fischmann legt sich nicht fest.

Und wie wirken sich vorgeburtliche Untersuchungen aus, die Ärzte invasiv nennen? Aus dem Fruchtwasser (Amniozentese), der Plazenta (Chorionzottenbiopsie) oder aus der Nabelschnur (Cordocentese) wird mit einer Nadel Material entnommen, das zur Analyse ins Labor geschickt wird. Diese Untersuchungen sind für Schwangere eine doppelte Belastung: Einerseits sorgen sie sich, dass der Embryo bei diesem Eingriff verletzt wird, und müssen eine Fehlgeburt infolge des Eingriffs fürchten. Andererseits warten sie tagelang auf das Ergebnis. Ist das Kind gesund? Was tun, wenn nicht? "Die Bindung von Mutter und Kind wird durch pränatale Diagnostik unterbrochen", sagt Fischmann. In dieser Belastungssituation könnten sich bei werdenden Eltern handfeste Ängste entwickeln oder gar Depressionen.

Die wiederum können das ungeborene Kind beeinflussen. Immer besser verstehen Ärzte die Wechselwirkungen, mit denen im Mutterleib die Weichen für die körperliche und psychische Gesundheit des Kindes gestellt werden. "Fetal Programming" heißt dieser noch recht junge Zweig der Medizin. Forscher der Universität Kiel konnten etwa zeigen, wie Stress bei der Mutter Einfluss auf das Wohlbefinden des Kindes zu nehmen scheint: Änderungen des Herzschlags, des Blutdrucks oder ein höherer Pegel des Stresshormons Kortisol, das auch in den Blutkreislauf des Embryos gelangt, teilen dem Ungeborenen die Gefühle der Mutter mit.

Diese Botschaften können konkrete Folgen haben. Kinder von Frauen, die zwischen der 13. und 26. Schwangerschaftswoche chronischem Stress ausgesetzt sind, kommen oft zu früh auf die Welt. Angst und Depression der Mütter im letzten Schwangerschaftsdrittel können die Entwicklung des kindlichen Nervensystems schwächen, wies der Kinderarzt Tim Oberlander von der University of British Columbia vor gut vier Jahren nach.

Wie also geht man um mit einer vorgeburtlichen Diagnostik, die selbst Stress, Angst oder gar Depression auslösen kann? "Wer immer in die Situation kommt, dass das Ungeborene möglicherweise krank ist, steckt in einem Dilemma", findet Tamara Fischmann. "Es gibt in einer solchen Situation kein Richtig und kein Falsch." Was es sehr wohl gibt, geben muss, ist die Möglichkeit zur freien Entscheidung. Fischmanns Folgerung lautet: mehr Akzeptanz für das Recht der Schwangeren, etwas nicht wissen zu wollen – trotz aller medizinischen Möglichkeiten.