Wenn Borussia Dortmund für ein Trainingslager in die Stadt kommt, dann entdeckt Bad Ragaz im schweizerischen Heidiland die Farbe Gelb. Ein Hauch von Heimspiel. Auf den Balkonen des Hotels Quellenhof, fünf Sterne, baumeln gelbe Trikots im Wind. Hier wohnen die Helden des Ruhrgebiets. Hinter dem Haus der Pool, schön groß, Torwart Roman Weidenfeller entspannt in der Mittagspause träge im Wasser, Mats Hummels, im gelben Trikot, sonnt sich daneben auf einer Liege. Von der Terrasse aus hat Jürgen Klopp seine Jungs im Blick. Sechstagebart, die markante blaue Brille, Hemd und kurze Hose – noch wirkt Klopp ganz entspannt.

DIE ZEIT: Wenn Sie bei einem Fußballspiel wie ein Verrückter an der Seitenlinie herumgestikulieren, fragt man sich: Ist das noch normal?

Jürgen Klopp: Ist der noch normal?

ZEIT: Sehen wir dann den wahren Jürgen Klopp, oder spielen Sie eine Rolle?

Klopp: Ich habe in meinem Leben exakt zwei Rollen gespielt. Einmal hatte ich beim Jugendtheater in der Schule einen Auftritt als Coiffeur, und Jahre später stand ich bei einer Sitzung des Mainzer Karnevalsvereins auf der Bühne.

ZEIT: Also sehen wir den wahren Jürgen Klopp?

Klopp: Wen denn sonst? Es geht doch ausschließlich darum, in einem lauten Stadion vor 80.000 Zuschauern mit meinen Spielern zu kommunizieren und ihnen deutliche Anweisungen zu geben. Das geht nun mal nicht mit vornehmer Zurückhaltung.

ZEIT: Hat Ihre Frau Ulla auf Sie eingewirkt, sich besser zu benehmen?

Klopp: Sie weiß: Während eines Spiels bin ich im Wettkampfmodus, selbst wenn es sich nur um ein Freundschaftsspiel handelt. Da ich ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden habe, wehre ich mich, wenn ich das Gefühl habe, einer meiner Spieler oder meine Mannschaft wird ungerecht behandelt. Dann reagiere ich in der Tat auch emotional. Diese empfundene Ungerechtigkeit ist natürlich rein subjektiv.

ZEIT: Sie haben sich in der Vergangenheit auch häufig mit den Schiedsrichtern angelegt.

Klopp: Ich arbeite weiter an mir. Die Situation ist viel entspannter geworden, seitdem erfahrene Schiedsrichter als vierter Mann an der Seitenlinie eingesetzt werden.

ZEIT: Warum haben Sie der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass Sie sich vor Kurzem Haare implantieren ließen? War das Ausdruck des Kloppschen Humors?

Klopp: Ich habe der Öffentlichkeit nichts mitgeteilt, sondern auf eine entsprechende Frage lediglich gesagt: Ja, stimmt.

ZEIT: Ist der Profifußball überhaupt ein Ort des Humors?

Klopp: Wenn Sie auf Platz eins der Tabelle stehen, können Sie sich mehr Humor leisten als auf Platz zwei.

ZEIT: Gerade haben Sie Ihren besten Spieler Mario Götze für 37 Millionen Euro an Ihren größten Konkurrenten Bayern München verloren. Wir stellen uns eine solche Erfahrung traumatisch vor.

Klopp: Wir haben für die kommende Saison eine neue Mannschaft zusammengestellt, das ist überhaupt kein Thema mehr.

ZEIT: Also business as usual? Das können Sie uns nicht im Ernst erzählen.

Klopp: Als wir von dem geplanten Transfer erfuhren, war das alles andere als eine gute Nachricht, auch weil sie sehr plötzlich gekommen war. Auch ich habe nichts geahnt, obwohl ich immer ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu meinen Spielern pflege.