Die Frage: David und Jan kennen sich seit Schulzeiten. Manchmal hat David seinem besten Freund Einzelheiten über Frauenbeziehungen erzählt, die nicht einmal seine Freundinnen wussten. Jan sparte nicht mit neugierigen Fragen und guten Tipps. Jetzt hat David Mara kennengelernt und verbringt seine Freizeit fast immer mit ihr. Jan beklagt sich: Er fühlt sich von David vernachlässigt. Also laden ihn David und Mara ein. Sie treffen sich in einem Bierzelt, alle trinken – David etwas zu viel, wie Mara findet. David ist beleidigt. Jan flirtet heftig mit Mara und beginnt mit ihr zu knutschen. Später sagt David zu Jan: "Wenn du das noch mal machst, sind wir geschiedene Leute!" – "Aber ich wollte dir doch nur zeigen, wie man richtig mit Mara umgeht", sagt Jan.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: In Freundschaften wie in Liebesbeziehungen geht es um Exklusivität. Wer nicht dazugehört, bleibt draußen. Pubertierende Jungen wie Mädchen schließen das andere Geschlecht aus. Wer sich verliebt, wird oft als Verräter an diesem früheren Bund erlebt. Jans Verhalten ist pubertär: Er probiert als Teil des Männerbundes, wie es ist, mit Mara zu knutschen, und glaubt vielleicht wirklich, dass er das für David tut. David empört sich als Partner einer Frau; er ist nicht mehr in das gleichgeschlechtliche Bündnis integriert und fühlt sich mehr an Mara gebunden als an den Freund. Jan macht die Sache nicht besser, wenn er das Ganze als Knutschwettbewerb hinstellt, in dem er David abhängt. Vermutlich spielt auch Alkohol eine Rolle, weckt er doch das Pubertäre in Mann und Frau.