In Anchorage traf ich einmal einen Amerikaner, der mir erklärte, warum es ihn nach Alaska verschlagen hatte: "Ich wollte so weit wie möglich von den USA entfernt sein, ohne das Land verlassen zu müssen." Deutsche Urlauber verfahren nach einem ähnlichen Prinzip. Sie wollen zumindest einmal im Jahr so weit wie möglich von Deutschland entfernt sein, ohne dabei ihr Krombacher oder Bitburger verlassen zu müssen – und so stranden sie in Scharen auf Mallorca. Also dort, wo einem die Fremde garantiert nicht spanisch vorkommt.

In diesem Sommer bin ich den Deutschen hinterhergereist, denn schließlich sind es nur noch gut 60 Tage bis zur Bundestagswahl – und ein Volk im Wahlfieber sollte man als politischer Reporter niemals allein lassen. Sonst fantasiert es sich am Ende noch eine Koalition aus Kanzlerpräsidentin und lauter Ballermännern zusammen.

Knallharte Enthüllungsrecherchen am Pool und an der Strandbar ergaben, dass sich das Volk bereits heftig mit dem Wählen beschäftigt: Pool oder Meer, Sonnenschutzfaktor 10 oder 20, Tauchen oder Schwimmen, Krombacher oder Bitburger. Und stundenlang können die Deutschen darüber diskutieren, ob Schwarz-Gelb noch eine Chance hat oder die Zukunft nicht für lange Zeit rot sein wird – im Fußball.

Mein Mallorca-Fazit: Die Deutschen wollen in diesem Sommer so weit wie möglich von der Politik entfernt sein, ohne dabei auf eine Wahl verzichten zu müssen.